Transtimber Risser - Frachtschiffreisen

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Eiskalt erwischt! Reisebericht MS TRANSTIMBER

Im Winter mit einem Frachtschiff ins Eis fahren reizte mich schon immer. Ich war zwar schon einige Male in den Wintermonaten mit den Eisenbahnfährschiffen RAILSHIP I und RAILSHIP III von Travemünde nach Hanko gefahren, einmal davon durch richtig dickes Eis, aber bis hoch hinauf in den Bottnischen Meerbusen hatte ich es noch nicht geschafft. Das musste sich ändern. Also buchte ich gemeinsam mit einem Freund bei der "KAPITÄN ZYLMANN GMBH" eine Reise mit dem Papierfrachter "TRANSTIMBER". Am 26.03.2012 sollte es losgehen, Start in Lübeck am Nordlandkai und zuerst nach Göteborg, von dort dann nach Oulu und schließlich nach Kemi an der Nordspitze des Bottnischen Meerbusens, von hier nonstop zurück nach Lübeck.

Eiskarte vom 26.03.2012

Buchung, Bestätigung und alle weiteren Kontakte verliefen absolut problemlos, ich fühlte mich bei der Crew von Kapt. Zylmann rundherum gut aufgehoben. Den typischen Reiseverlauf der TRANSTIMBER hatte ich mir mehrere Wochen im Internet angesehen, auf der Eiskarte die Entwicklung im Bottnischen Meerbusen verfolgt.

Tag 1 (Montag)
Die Anreise zum Starthafen Lübeck-Nordlandkai ist fast ein Heimspiel, da ich in Hamburg wohne. Meine Frau will nicht mit ins Eis, sie bringt uns mit dem PKW direkt bis ans Schiff. Ich hatte mir schon viele Fotos des Schiffes im Internet angesehen, jetzt hier direkt daneben zu stehen ist dann doch schon etwas anderes. Mit ihren 190 m Länge ist das Schiff schon etwas größer als die üblichen Feederschiffe, für die Ostsee außergewöhnlich. Die TRANSTIMBER liegt mit geöffneter Heckklappe am Nordlandkai, der Bug ist Richtung Ostsee gerichtet.

An Deck hat uns ein Matrose entdeckt und lässt mit dem Kran eine Box für unser Gepäck herunter, so dass wir ohne Ballast die lange Gangway erklimmen können. Der Service gefällt uns.

Wir werden über die Außentreppen bis hinauf zu unseren Kabinen begleitet wo uns dann der Chiefmate (1. Offizier) begrüßt. Unsere Kammern sind mit Doppelstockbetten (das obere bleibt hochgeklappt), einem kleinen Schreibtisch, TV-Gerät und Radio ausgestattet, das Duschbad ist ebenfalls relativ klein. Aber das wussten wir vorher, es hat uns nicht von der Reise abgehalten und letztlich auch nicht gestört.

Noch vor dem Auslaufen holt uns der Chiefmate für den obligatorischen Sicherheitscheck und -rundgang ab. Den Rundgang beenden wir auf der imposanten Kommandobrücke. Nicht nur die Größe der Brücke überrascht, auch die Ausstattung mit einer netten Sitzecke auf einem Podest mit herrlicher Aussicht lässt uns erstaunen.

Respekt einflößend ist jeweils eine in den Boden der Brückennocken eingelassene Glasscheibe. Durch diese kann der Kapitän bei Manövern sehr gut den Abstand zwischen dem Schiff und der Kaimauer beobachten. Obwohl die Scheibe aus mehreren Zentimeter dickem Glas besteht und garantiert sicher begehbar ist, kann ich mich während der gesamten Reise nicht so recht mit ihr anfreunden.

Der Kapitän erscheint, begrüßt uns an Bord und stellt sich mit seinem Vornamen "Kristian" vor, die Schweden sind nun mal etwas unkomplizierter als wir. Es ist inzwischen etwa 12:00 Uhr, wir laufen aus. Gemächlich gleiten wir auf der Trave der offenen See entgegen, vorbei am Panorama von Travemünde und der Viermastbark "PASSAT".

Aber auch nach Erreichen des offenen Wassers werden wir nicht schneller, der Kapitän wartet auf einen verspäteten Matrosen. Der war im Heimaturlaub auf den Philippinen und hat in Frankfurt seinen Anschlussflug nach Hamburg verpasst. Mit der nächsten Maschine ist er in Hamburg eingetroffen und von dort mit dem Taxi bis direkt zur Lotsenstation in Travemünde gerauscht. Das Lotsenboot holt nun nicht nur den Trave-Lotsen ab sondern bringt auch gleich den Matrosen mit. Nachdem er an Bord gestiegen ist geht unsere Fahrt etwas verspätet weiter.



Gegen 21 Uhr passieren wir die Brücke über den Großen Belt. Auch in der Dunkelheit ist das ein imposanter Anblick.

Tag 2 (Dienstag)
Nach einer sehr ruhigen Nacht gleiten frühmorgens die Schären vor Göteborg vorbei, die TRANSTIMBER wendet unmittelbar an der Festungsinsel Älvsborg  und geht rückwärts an ihren Liegeplatz im Älvsborgshamnen. Dabei ist zu bewundern, wie souverän der Kapitän die 190 m Schiff zentimetergenau manövriert und ohne merkbare Erschütterung an der Kaimauer anlegt.

Über die bordeigene, geöffnete Heckrampe und über die starre, landseitige Rampe erfolgt gleichzeitig die Be- und Entladung der 3 Decks. Nachdem die Arbeiten im unteren Deck abgeschlossen sind, wird die interne Rampe hochgeklappt und das mittlere Deck kann vollflächig genutzt werden. Über die landseitige Rampe wird über das Wetterdeck (Deck 5) auch das Deck 3 bedient. Die Fahrer der Trucks rangieren die Flats mit den bis zu 90 Tonnen schweren SECU-Boxen in einem Höllentempo, sowohl vor- wie auch rückwärts.

Gegen 9 Uhr macht längsseits die "VADERO HIGHLANDER" -das Bunkerschiff- fest, die Festmacherleinen werden allerdings etwas unkonventionell an einem Dom eines Tanks belegt.

Da wir schon um 15 Uhr auslaufen sollen, bleibt leider zu wenig Zeit für einen Stadtbummel durch das 15 km entfernte Göteborg. Also erkunden wir das Schiff weiter und beobachten den Lösch- und Ladevorgang. Pünktlich geht's dann wieder in den (Schären-)Garten, vorbei an Helsingborg. Malmö und die Öresundbrücke verschlafe ich.

Tag 3 (Mittwoch)
Dieser Seetag steht im Zeichen der Technik und der Sicherheit. Alle Mahlzeiten werden in der großen Messe eingenommen, auf diesem Schiff sind die Mannschafts- und die Offiziersmesse nicht getrennt, das ist eine große Besonderheit.

Nach dem Mittagessen gehen wir mit Lennart, dem schwedischen Chief, in den "Keller". Da wir mit gemächlicher Marschfahrt von nur 15 kn mit nur einer Maschine unterwegs sind, ist der Lärm im Maschinenraum erträglich. Vom Maschinenkontrollraum über die verschiedenen Stationen im Maschinenraum bis in den Wellentunnel mit der etwa 130 m langen Propellerwelle können wir uns alles ansehen, jede Frage wird beantwortet. Bedingt durch die Bauweise der TRANSTIMBER mit den Aufbauten und der Maschinenanlage im Vorschiff ist diese extreme Wellenanlage notwendig.

Bereits in Göteborg ist ein weiterer "Gast" zugestiegen, und zwar eine Mitarbeiterin (Prüferin) der staatlichen, schwedischen Transportbehörde TRANSPORTSTYRELSEN. Eine umfangreiche Rettungsübung musste vor ihren kritischen Augen absolviert werden. Uns als Passagieren blieb das "Kostümfest" erspart.
Ich habe mir in der Backbord-Nock einen gemütlichen Sitzplatz zum Lesen eingerichtet der darüber hinaus auch noch eine hervorragende Aussicht bietet. Die beheizbaren Scheiben gefallen mir außerordentlich gut.

Tag 4 (Donnerstag)
Wir haben Öland, Gotland und die Alandinseln hinter uns gelassen und befinden uns jetzt im nördlichen Teil des Bottnischen Meerbusens, also nördlich der Enge "Norra Kvarken" (zwischen Umea und Vaasa).

Aufgrund der Eisberichte hat der Kapitän sich entschieden, nicht den direkten Kurs Richtung Oulu zu nehmen, sondern weit westlicher an der schwedischen Küste einen größeren Bogen zu fahren.

Am Nachmittag taucht am östlichen Horizont ein weißes Band auf, das erste Eis! Um 18 Uhr ändert Kristian dann den Kurs und wir haben bald darauf den ersten Eis-Kontakt. Es folgen zwar noch einige eisfreie Flächen, insgesamt nimmt aber die Eisbedeckung zu. Leider nimmt auch die Dunkelheit zu, folglich nimmt die Fernsicht ab, stattdessen nimmt aber das Scheinwerferlicht zu. Mit 2 riesigen Scheinwerfern wird das Eis nach freien Flächen abgesucht. Irgendwann nützt auch das nichts mehr, die TRANSTIMBER schüttelt sich immer mal wieder.

Obwohl die Hauptmaschinen (2 x MAN B&W 9L48/60B) mit voller Leistung – 21.600 kW (>29.000 PS)- arbeiten, sinkt die Geschwindigkeit zeitweise auf 2 Knoten. Doch das beeindruckt unseren Kapitän nicht sonderlich, er vertraut dem Schiff, dessen Leistungsfähigkeit und natürlich auch seiner eigenen Erfahrung. Der Chiefmate berichtet, dass eine Woche zuvor das Schwesterschiff TRANSPAPER 2mal Eisbrecherhilfe anfordern musste weil es im Eis stecken geblieben war.

Um 23 Uhr erreichen wir Oulu. Während uns auf offener See eine geschlossene Eisdecke das Fahren erschwerte, ist hier im Hafen keine Eisscholle zu finden. Die Kühlwassermengen der Papierfabriken erwärmen das Wasser derart, dass der Hafen nahezu immer eisfrei bleibt.

Tag 5 (Freitag)

Schon um 6:30 aufgestanden um noch ein paar Fotos vom Hafen und vom Schiff bei Tageslicht machen zu können bevor wir schon um 8 Uhr Oulu verlassen. Im Hafen werden auch die "GRIFTBORG" und die "JOHANNA" gerade entladen. Beim Blick vom Peildeck kann man die gewaltigen Dampfschwaden der Papierwerke  nicht übersehen.

Von Oulu nach Kemi führt uns der Weg im Zick-Zack zwischen einigen Inseln hindurch. Ein paar Eisangler lassen sich durch uns nicht stören. Den Zustieg des Lotsen habe ich leider verpasst, ich sehe nur noch seine spezielle Gangway auf dem Eis und die Spuren seines Motorschlittens.


Direkt an der Hafeneinfahrt von Kemi liegt der Museumseisbrecher SAMPO, der heute nur noch als Touristenattraktion Fahrten ins Eis unternimmt.


Unser Kapitän manövriert die TRANSTIMBER gekonnt an die Kaimauer, das Eis wird durch das Schraubenwasser der Bug- und Heckstrahlruder herausgedrückt.

Um 12 Uhr sind wir fest im Hafen Ajos, der Chiefmate bestellt uns ein Taxi und wir machen uns auf ins 11 km entfernte Kemi. Den Besuch des "Schnee-Schloss" (Eintritt € 15,-) verkneifen wir uns, machen stattdessen einen Rundgang durch die Stadt. An einer Vermietstation für Snow-Scooter zögern wir, sind unentschlossen, gehen dann aber doch weiter, genießen in einem kleinen Café ein Stück Kuchen und machen uns dann wieder mit dem Taxi auf zum Hafen. Um 19 Uhr laufen wir aus zur nächsten Eisfahrt bei Nacht.

Tag 6 (Sonnabend)
Bei strahlendem Sonnenschein pflügt die TRANSTIMBER weiter mit 18 Knoten durch die Ostsee. Die "Eiszeit" hat ein Ende, wir sind wieder in offenem Wasser. Der Kapitän öffnet seinen Store und die gesamte Besatzung steht Schlange. Gegen Abend kommt Wind auf, das Schiff beginnt leicht zu rollen. Der Kapitän lässt den Anti-Schlingertank fluten, was zu einer erheblichen Reduzierung der Rollbewegungen führt. Die 1.356 m³ Wasser hoch oben im auf Deck 7 und Deck 8 angeordneten Stabilisierungstank wirken Wunder.

Tag 7 (Sonntag)
Der Wind hat sich gelegt, morgens herrscht wieder herrlichster Sonnenschein. Der Schlingertank wird wieder geleert. Die Besatzung beschäftigt sich mit dem Waschen der Fenster der Brücke und der Aufbauten. Wir sitzen wieder in unseren Lieblingsecken in den Nocken, genießen den tollen Ausblick und lesen das nächste Buch. Um 19 Uhr wird es noch einmal interessant: Südlich Sandhammaren, der Südostspitze Schwedens, kommen von rechts viele Schiffe aus Richtung Malmö/Kattegat. Auf Ihrer Fahrt in Richtung Osten queren sie unseren Fahrtweg und haben natürlich Vorfahrt ("Wegerecht"), im Slalomkurs müssen wir uns unseren Weg suchen.

Tag 8 (Montag)
Um 6 Uhr laufen wir in Lübeck ein. Nach einem ausgiebigen Frühstück bringt der "Gepäckservice" unsere Taschen wieder mit dem Kran an Land und die Heimfahrt beginnt. Eine herrliche Woche an Bord der TRANSTIMBER geht zu Ende.

Resumee
Auch wenn der ganz große Effekt, nämlich der Eisbrechereinsatz, uns nicht zuteil wurde, kann ich die vergangene Woche nur als rundum gelungen betrachten. Die Besatzung, allen voran Kapitän Kristian und der tollen Köchin möchte ich für die angenehme Zeit danken.

Etwas zum Schiff und der Transporttechnik
Die TRANSTIMBER wurde 2007 als letztes Schiff einer Serie von 3 baugleichen RoRo-Schiffen von der Aker-Werft in Rauma/Finnland ausgeliefert. Alle 3 Schiffe (TRANSPAPER, TRANSPULP, TRANSTIMBER) sind gemeinsam mit und für den Papierkonzern Stora Enso (einer der größten Papierkonzerne weltweit) konzipiert worden und langfristig an ihn verchartert. Die Schiffe wurden optimal auf das zu befördernde Ladegut, nämlich Papierrollen in SECU-Boxen, abgestimmt. Diese SECU-Boxen (SECU = Stora Enso Cargo Unit) ähneln zwar einem Container, sind aber mit 13,8 m Länge, 3,6 m Breite und insgesamt 4,4 m Höhe erheblich größer, außerdem wiegen sie bis max. 90 t.

An Bord kommen diese max. 155 SECUs auf Roll-Trailern, gezogen von den in jedem Hafen anzufindenden "Tugmastern", wendigen, kleinen aber starken Sattelzugmaschinen. Die SECUs werden auf dem Schiff in den verschiedenen Decks abstellt wie LKW, nicht gestapelt wie Container. Die Tugmaster holen dann mit dem leeren Roll-Trailer die nächste Box.

Aufgrund der Ladeweise muss das Schiff über möglichst große, ebene und über Heck-Rampen befahrbare Decks verfügen. Deshalb wurden sowohl die kompletten Aufbauten wie auch die Maschinenräume im Vorschiff angeordnet. Das führt zwangsläufig zu der enorm langen Wellenanlage. Alle 3 Schiffe sind mit je 2 Hauptmaschinen, einem Untersetzungsgetriebe, das die Motorendrehzahl von 514 U/min auf die Propellerdrehzahl von 128 U/min reduziert sowie einem Verstellpropeller ausgerüstet. Für die Stromversorgung stehen 2 Wärtsila-Hilfsdiesel sowie ein Wellengenerator zur Verfügung. Das Manövrieren erleichtern 2 Bugstrahl- und 1 Heck-Querruder.

Alle 3 Schiffe sind mit Landstromanschlüssen ausgestattet und können in den Häfen während der Liegezeiten hierüber mit Strom versorgt werden. In Lübeck wurde der Landstromanschluss 2008 auf Betreiben der Stora Enso durch die Stadtwerke Lübeck in Zusammenarbeit mit der Siemens AG in Betrieb genommen.


Hauptdaten des Schiffes

Name

TRANSTIMBER

Länge

190,80 m

Schwesterschiffe

Transpaper + Transpulp

Breite

26,44 m

Flagge

Schweden

max. Tiefgang

7,80 m

Heimathafen

Skärhamn

max. Geschwindigkeit

21 kn

IMO

9.343.273

Bruttoraumzahl

23.128

Rufzeichen

SKHZ

Tragfähigkeit

15.960 t

Reederei

TransAtlantic AB

max. Kapazität

155 SECU

Indienststellung

2007

Hauptmaschine

2x MAN B&W Typ 9L48/60B

Bauwerft

Aker Yards OY, Rauma

Maschinenleistung

2x 10.800 kW bei 514 U/min

Eisklasse

A 1 Super

Hilsdiesel

2x Wärtsilä Typ W8L20

akt. Standort

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el. Leistung

2x 1.500 kW

 

Wellengenerator

2.500 kW

 
 
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