MSC Flaminia - Frachtschiffreisen

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MSC Flaminia

Reiseberichte > Eigene Reisen

Nun erstmals ein ganz großes Schiff. 299m lang, 40m breit, 6.700 TEU. Maximalgeschwindigkeit 25kn. Baujahr 2001. Besatzung 24 Mann.

Zwei Doppelkammern auf dem F-Deck, eine Einzelkammer auf dem E-Deck (Backbord), die hatte ich. Es gab einen Fahrstuhl.

Premiere auch, dass es über den Atlantik gehen wird. Die Reisedauer sollte etwa 46 Tage betragen. Kapitän Neuendorf und einige Offiziere Deutsche. Es waren weitere drei Passagiere dabei.

Diese Route bedeutete fast nur Neuland für mich, insofern war die Erwartungshaltung hoch. Dazu Häfen eines mir noch fremden Kontinents.

Man sieht aber schon an der Tabelle, dass es wohl mit der Rundreise nichts wurde. Dazu später mehr. Jedenfalls bin ich mit dem Flugzeug von Houston über London nach Hamburg zurück.

Die Reise habe ich gebucht beim Vermittler Int. Frachtschiffreisen Pfeiffer.

Von

Nach

sm

Bremerhaven

Le Havre - Frankreich

440

Le Havre

Charleston - South Carolina

3.747

Charleston

Savannah - Gorgia

79

Savannah

Port Everglades - Florida

364

Port Everglades

Freeport - Bahamas

72

Freeport

Veracruz - Mexico

1.112

Veracruz

Altamira - Mexico

238

Altamira

Houston - Texas

474

Bremerhaven bis Le Havre


Los ging es in Bremerhaven am Eurogate. Parken am Gate problemlos, Shuttle klappte bestens. Dann stehe ich vor diesem Riesenschiff und muss erstmal tief Luft holen. So manchen großen Pott habe ich ja schon bei anderen Reisen oder auch in Cuxhaven gesehen. Aber davor zu stehen, das ist schon eine andere Nummer.

Zum Dinner fulminantes Buffett (Sonntag). Und großes Kennenlernen. Kurz vor Mitternacht klingelte dann Kapitän durch und ich bin zum Ablegen auf die Brücke. Sind das alles Ausmaße. Bis 2 Uhr geblieben.

Am nächsten Morgen Wetter miserabel, Windstärke 8 und 5m hohe Wellen, aber der Pott liegt mit 17kn ruhig im Wasser. Andere Schiffe hatten da deutlich mehr Mühe. Mittags Höhe Terschelling, abends Höhe Dover. Wetter nun besser, nur sehr starker Wind.

Schon Sicherheitsunterweisung mit dem Zwoten gehabt. Offiziersmesse ist übrigens auf B-Deck. Nach dem Essen also Verdauungsgang 3 Decks hoch zur Kammer, dann nochmal zwei Decks zur Brücke.


Morgens um 5 Uhr per Anruf von Brücke geweckt, Schleusendurchfahrt Le Havre und Anlegen. Das war unglaublich spannend, trotz Dunkelheit. Schon anderthalb Stunden später am Liegeplatz.

Um 9 Uhr dann mit Taxi (die kommen hier zum Schiff) in die Stadt. Langer Rundgang in der Stadt, die mir aber nicht sehr gefallen hat. Zum Dinner auf dem Schiff.

Und zum Ablegen um 1 Uhr 30 natürlich wieder geweckt, aber es hat sich gelohnt.

Atlantiküberfahrt

Nach Le Havre morgens noch im Ärmelkanal, nachmittags Land's End, der südwestlichste Zipfel Englands.

Nun also über den Atlantik. Wir haben Kurs 252 Grad, das wird sich auch nicht ändern, obwohl wegen der Erdkrümmung ein anderer Kurs günstiger wäre. Wir wollen aber einem Hurrikan nicht in die Quere kommen.

Von nun an täglich eine Stunde Uhr zurück stellen.

Und hier ganz besondere Regeln, die auf der Brücke aushingen, unbedingt ansehen.


Ich habe Fotos und Videos in einem Film zusammen geschnitten. Dazu mit vielen Informationen versehen.

Hier kann man den Teil 1 sehen (knapp 12min): Bremerhaven-Le Havre-Kammer auf dem E-Deck und erste Eindrücke vom Atlantik.

Der nächste Tag begann mit einer ausführlichen Sicherheitsübung, die wir Passagiere intensiv verfolgt haben. Das wurde wirklich gründlich gemacht, inklusive Vorbereitung eines Seemanns zum Hubschraubertransport.

Auf der Brücke viele Gespräche. Dann saß ich draußen in der Steuerbordnock, als ich hörte, dass Backbord ein Wal ganz dicht am Schiff war. Pech gehabt. Aber viel Walblasen war dennoch weiter weg zu sehen.

Rings um die Brücke ist richtig viel Platz, auch auf den Aufbauten. Da gibt es immer ein Plätzchen mit Aussicht.

Sonntag heißt P A R T Y T I M E.

Das ging schon mittags los, Kapitän gab einen Empfang im großen Aufenthaltsraum auf dem E-Deck. Passagiere waren natürlich die Ehrengäste.

Gut angewärmt erwartete uns dann am späten Nachmittag ein Barbecue auf der großen Freifläche Aufbauten. Da wurde aber aufgetischt, und schon habe ich wieder zu viel gegessen. Nur die Musik war zu laut und grell, aber ansonsten ein Riesenspaß für alle. Viele von der Crew haben bis spät in den Abend hinein gefeiert. Die "Älteren" haben sich früher zurück gezogen. Alles geht immer so schnell vorbei.


Den zweiten Teil des Videos kann man hier sehen. Er beginnt mit dem Signal 7 x kurz und 1 x lang für die Sicherheitsübung.

Dann geht es rund um die Brücke. Schließlich Partytime in der Offiziersmesse und abendliches Barbecue.

Am zehnten Tag stand Maschinenraum auf dem Programm. Absolut beeindruckend. Ich habe schon manche Maschinenräume gesehen, aber die Dimensionen hier einfach gewaltig. Nass geschwitzt danach zum Bug gegangen, dort konnte ich viele fliegende Fische beobachten (Kamera nicht dabei).

Temperaturen mittlerweile an die 30 Grad, zunehmend hohe Luftfeuchtigkeit. Da kann man die Abende besonders genießen, vor allem dann den unglaublichen Sternenhimmel. Zwei Marineschiffe auf dem Radar, die hatten im AIS als Ziel "Immagination Land" angeben, wenigstens Humor haben die.

Übrigens: Man kann eMail schreiben über Bord-PC, kriegt für die Fahrt eigene Adresse. Schöne Sache, kannte ich bisher nicht.

Der letzte Tag der Atlantiküberfahrt. Ging alles viel zu schnell. Viele Algenteppiche gesichtet. Unwetter zog an uns vorbei, mindestens 20 Blitze/min - furchterregend aber weit genug weg. Richtig schwülwarm tagsüber, aber die Aufbauten sind alle klimatisiert. Viel Lauferei, morgens und abends A-Deck zum Mailen. Erstmals auch Wäsche gewaschen. Natürlich viel auf dem Brückendeck. Bisher den Fahrstuhl noch nicht genutzt.

"Belehrung" vom Kapitän, wie wir uns vor den Beamten der USA verhalten müssen, das klingt reichlich krass. Da gab es sogar mal eine Fußmatte mit zwei Fußabdrücken, da sollte man stehen und sich nicht bewegen. Das ist ja fast wie zu DDR-Zeiten.

Weit vor der Küste an den Anker. Einfahrt vermutlich nachts.

Charleston - South Carolina/USA


Nachts um 3 Uhr 30 Weckruf von der Brücke, aber es hat sich gelohnt, auch bei Dunkelheit. Besonderheit in USA, die Fahrrinne ist genau andersherum befeuert, Richtung Hafen steuerbord rote Tonnen. Nach dem Anlegen um 5 Uhr kamen gleich die Beamten an Bord. Ich wurde gefragt, warum ich die Reise mache und ob ich Freunde an Bord hätte, hmm. Alle kamen aber durch.

Hier haben sich die netten Schweizer verabschiedet. Wir sind alle zusammen noch im Taxi in die Stadt, war nur etwas eng mit all dem Gepäck und den Rädern. Taxis mit besonderer Zulassung kommen hier direkt ans Schiff.

40 Dollar kostet eine Fahrt. Im Zentrum ist das Erste, was wir sehen, die Aidaluna. Na toll. Wir sind dann viel umher gelaufen, Stadt gefiel mir richtig gut, typisch Südstaaten, Veranden, Schaukelstühle und wahnsinnig viele Kirchen. Alles sehr schön mit vielen Parks durchzogen. Und natürlich nur rechtwinklige Straßen. Auffallend auch die Größe der Autos.

Erst später habe ich gelesen, dass die Stadt eine der gefährlichsten der USA sein soll, hatte man aber nichts von gemerkt.

Um 17 Uhr Ausfahrt. Und dann der Knüller. Stehen die Schweizer doch auf der großen Brücke. Ich filmte gerade die Durchfahrt und höre blöderweise auf, als es von oben HALLO rief. Tolle Idee der Beiden und ein schönes Erlebnis auch für uns auf dem Schiff.


Der dritte Teil des Videos mit etwa 13 min umfasst den Maschinenraum, viele Aufnahmen vom Schiff unterwegs.

Vor allem natürlich den Besuch von Charleston und die tolle Ausfahrt bei Tageslicht mit einem besonderen Erlebnis bei der Brückendurchfahrt.



Savannah - Georgia/USA


Morgens schon im Savannah River. 25 km flussaufwärts geht es jetzt. Viel Industrie und Sumpflandschaft, dann fast durch die Stadt durch.

Auch hier mit Taxi in die Stadt zur City Hall. In der Nähe gleich die River Street mit massnehaft Lokalen. Auch Savannah mit rechtwinkligem Straßennetz. Später in die Bull Street, die man immer wieder unterbrochen von kleinen Parks wunderbar entlang laufen kann.

Dennoch hat mir Charleston besser gefallen. Vielleicht lag es auch am Taxi, das mich zurück brachte. Die Dame kannte sich offenbar nicht aus, setzte mich irgendwo in Hafennähe raus. Ich dann zu Fuß zum nächsten Gate, wurde dann von freundlichen Polizisten mit Riesenauto zum Schiff gebracht.

Zur Ausfahrt nachts kam wieder der Weckruf von der Brücke, aber ich war erledigt von den letzten beiden Tagen in dieser Schwüle.

Nächsten Nachmittag schon Küste Floridas in Sicht. Und hier begann das Malheur. Ich fühlte mich zunehmend schlechter, vermutlich Kreislaufprobleme. Jedenfalls kein Landgang mehr und in Veracruz kam Arzt an Bord, der aber nichts Akutes feststellen konnte. Da das Ausschiffen hier sehr kompliziert gewesen wäre, schließlich bis Houston an Bord geblieben. Als ich dort dann von Bord ging, bereute ich das sofort, weil es die letzten 1-2 Tage schon besser war. Aber so war es mit dem Kapitän ausgemacht. Also stand Rückflug an.

Aufnahmen ab Port Everglades daher nur noch wenige. Ab Savannah hatte ich übrigens die Doppelkammer von den Schweizern ein Deck höher.


Der letzte Teil des Reisevideos umfasst die Einfahrt nach Savannah, Landgang in Savannah und dann den restlichen Verlauf der Fahrt von Port Everglades über Veracruz und Altamira (beide Mexico) nach Houston.


Trotz des blöden Abbruchs, besonders hatte ich mich auf New Orleans gefreut, war die Reise sehr schön. Mit vielen ganz neuen Eindrücken, netten Menschen an Bord, einem tollen Schiff und vielen Erlebnissen.

Dem Kapitän Neuendorf herzlichen Dank, er hat sich sehr um mich bemüht und mir geholfen. Ich konnte sogar mein Gepäck an Bord lassen und nur mit Rucksack den Heimflug antreten. Das Gepäck habe ich dann in Bremerhaven vom Schiff geholt.

Die wichtigsten Daten des Schiffes:

Name

MSC Flaminia

Länge

300 m

Flagge

Deutsch

Breite

40 m

IMO

9.225.615

max. Geschwindigkeit

26 kn

Baujahr

2001

max. Tiefgang

14,5 m

Reederei

NSB

max. Kapazität

6.750 TEU

Werft

Daewoo Südkorea

Leistung Maschine

68.470 kW

Trauriger Nachtrag


Am 14. Juli 2012 hatte das Schiff auf dem Weg von Charleston nach Antwerpen eine schwere Explosion in der Luke 4. Die Besatzung inklusive 2 Passagiere musste das Schiff verlassen. 3 Seeleute überlebten das Unglück nicht. Es dauerte lange, bis das Schiff schließlich nach Wilhelmshaven verbracht wurde. Inzwischen ist es in eine Reperaturwerft geschleppt worden.

Ich habe die Nachrichten dazu natürlich intensiv verfolgt und war tief betroffen über dieses folgenschwere Unglück. Auch wenn ich nur gute drei Wochen auf dem Schiff verbracht habe, so ist doch ein besonderes Verhältnis zur Crew und dem Schiff entstanden.

 
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