Frej Bücker - Frachtschiffreisen

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Frej Bücker

Reiseberichte > Reisen Dritter

Anmerkung: Die FREJ ist Schwesterschiff der ALREK, beide Schiffe hatten früher TRANS vor dem Namen. Wie immer habe ich an dem Reisebericht keine Änderungen vorgenommen. Herr Bücker machte diese Reise vom 27. Juli bis 3. August 2015.

Alte Tour mit neuem Schiff.

Es ergab sich die schnelle Gelegenheit, eine Kammer der FREJ auf dem B-Deck zu beziehen. Und ich habe zugegriffen. Es war wieder die „alte“ Tour: Brunsbüttel - Kiel – Södertälje – Västeräs – Öxlesund – Kiel – Brunsbüttel. Die ich schon so oft gefahren bin. Immer wieder schön!

Das B-Deck ist der „2.Stock“ über dem Poopdeck, dem „Erdgeschoss“. Da befinden sich die Pantry, die beiden Messen und die Kochkammer. Mannschaften und Offiziere essen getrennt. Aber alle das gleiche Essen.

Auf dem Deck darunter sind die Wirtschaftsräume: Vorratskammer, seemännisch: Proviantlast, Waschküche, Aufenthalts- und Pausenraum der Mannschaft, Umkleideraum für Schutzbekleidung. Noch 1 Deck tiefer kommt man in den Kontrollraum der Maschine. Und von da noch eine Treppe runter  in den Maschinenraum.

Ich habe mal beim Anlassen der Hauptmaschine zugeschaut: 4 mal zackig die Eisentreppe runter und wieder rauf.
Da gibt es viel zu schalten: Im ECR (engine control room). Und zu kontrollieren: An der Hauptmaschine und den Aggregaten Und alles muss schnell gehen. Das machte alles nur 1 Mann. Auch an Bord wird immer mehr Personal gespart.

Die Maschine war für einen 24 Stunden-Betrieb ohne ständige Anwesenheit  zugelassen. In den Messen, in den Kammern, Ausnahme Eigner, und auf der Brücke waren Melder installiert, die den jeweiligen Zustand auf Display lieferten. Bei Unregelmäßigkeiten ertönte ein Signal. Und zwar unüberhörbar..

Meine Kammer hatte Ausblick nach vorn und nach Steuerbord. Eine gemütliche Sitzecke, viel Stauraum, Radio und TV.  Beides habe ich nicht einmal benutzt: Keine Medien im Urlaub!..

Angenehmer Teppichboden mit einem Läufer ausgelegt. Sehr schön: Die große Dusche über die ganze Badbreite. Mit einem hübschen Vorhang. Der auch seine Funktion erfüllte: Eine Überflutung des Bades zu verhindern. Das ist durchaus nicht immer so.

Die Koje war in Längsrichtung. Das ist mir bei Seegang lieber. Es war aber auf der ganzen Reise ruhig. Zeitweise konnte man das Kielwasser meilenweit verfolgen.

Beim Kapitän habe ich mir Bier und Mineralwasser gekauft. Aus einer Liste kann man sich verschiedene Biersorten aussuchen. Oder was man sonst so braucht: Alkohol, Tabakwaren, Schokolade, Kosmetik, Kaffee, Tee , Süßigkeiten, etc. Das kommt dann in Kiel an Bord. Zollfrei.

Ein Mitfahrer hatte die Eignerkammer auf dem D-Deck bezogen. Größer und mit extra Schlafraum. Seine allererste Reise auf einem Frachter. Wunderte sich über Bockwurst schon zum Frühstück.

Reisen auf Frachtern bedeutet auch immer „Imponderabilien“ Ständig ändert sich was. Erstes ETA (estimated time of arrival) für Brunsbüttel war Sonntag 09:30. Dann kam der Sturm. Abwarten. Tatsächliche Ankunft Montag 10.:00 Uhr.

Immer noch besser, als mitten in der Nacht. Habe ich auch schon gehabt. Weil ich meistens in der Schleuse Brunsbüttel ein- und aussteige. Die Schleusung dauert etwa eine halbe Stunde. Ich fahre etwa 30-45 Minuten zur Schleuse. Je nachdem, ob ich zur Nord- oder Südseite will oder muss. Also kein Problem.  Etwa 1 Stunde vor der endgültigen ETA rufe ich die Wache an. Dann weiß ich, in welche Kammer das Schiff geht. Für den Mitfahrer aus NRW ergab sich eine zusätzliche Hotelübernachtung.

Ganz schlecht: Wenn in letzter Minute entschieden wird, dass Russland angelaufen werden soll und die Passagiere kein Visum haben. Dann  müssen die wieder von Bord. Sonst bekommt der Charterer Ärger.

Ruhige Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal. Internationale Bezeichnung: Kiel-Canal. Erlaubte Höchstgeschwindigkeit 8 Knoten = ca. 15 Kmh. Als Verkehrsgruppe 3 mussten wir 2 mal in die Weiche. Und da den Gegenverkehr abwarten.

Es kann auch geblitzt werden – innerhalb einer  wandernden Messstrecke. Und das wird dann ganz erheblich teurer als der Bußgeldkatalog. Die Kosten der Kanalerhaltung sind immens. Und  durch zu schnelles Fahren wird die Böschung geschädigt.

Verkehrsgruppen gibt es von 1 – 6.  Abhängig von Größe, Tiefgang und Ladung. Erlaubte Begegnungssumme je nach Streckenabschnitt 6 – 8.

Von Kiel 33 Stunden durch Kadetrinne und Kalmarsund bis Landsort. Dort Lotsen für Södertälje aufgenommen. Kurzer Aufenthalt in Södertälje. Gegen 04:00 Uhr waren wir fest. Um 07:00 fingen die Arbeiten an. Um 10:00 abgelegt.

Spannende Fahrt im Schleichtempo von 2 – 3 Knoten durch einen sehr engen Kanal in eine sehr kleine Schleuse. Mitten in der Stadt.. Mal auf Google Earth verfolgen.

Von da an, oder auch schon ab Södertälje – je nach den schwedischen Lotspatenten des Kapitäns -  übernimmt ein Lotse durch den Mälarensee bis Västeras. Der fährt dass Schiff die ganze Strecke von Hand. Etwa 4 Stunden. Dann dreht der Kapitän aus der Backbord-Nock das Schiff in einer Ecke des Hafens “auf dem Teller“ um 180 Grad. Mit rückwärts drehender Schraube, voll Ruder und Bugstrahler. Sieht ziemlich spektakulär aus. An der Küste sagt man dazu: Sitzt, passt, wackelt und hat Luft.

Im See wunderschöner Aus- und Anblick, ständige Kursänderungen. Viele kleine Inseln, Halbinseln, Buchten, hübsche Häuser. Im Nahbereich zur Schleuse wird der See durch ein Pumpwerk permanent mit Luft=Sauerstoff versorgt.

Der neue Hafen von Västeras liegt etwas außerhalb. Man kann zu Fuß in die Stadt. Das ist etwas anstrengend, aber interessant. Direkt am Wasser vorbei an einer schicken Marina. Etwa 3-4 Km. Je nachdem, wo man hin will.

Es fährt auch halbstündig ein Bus. Der hält direkt an der Zufahrt zum Hafen. Dann ist man in etwa einer Viertelstunde am ZOB beim Bahnhof.
Bezahlen kann man nur mit Kreditkarte. 40,-- Kronen pro Strecke. Im Bus. Die Rückfahrt kostet nur 26,-- Kronen, wenn man am ZOB direkt ein Ticket kauft. Vom ZOB in die City geht man durch einen hübschen kleinen Park etwa 15-20 Minuten.

Es lohnt sich auf jeden Fall in die Stadt zu gehen oder zu fahren. Die Wache bestellt auch ein Taxi. Etwa 140,- Kronen. Sie müssen sich in Västeras vom Kapitän unbedingt den Eintipp-Code für den Hafeneingang geben  lassen, wenn Sie an Land wollen. Der macht u.U. schon um 16:00 dicht. Und nur mit dem Code kommen Sie dann noch wieder rein.

Aber: Wir sind in Schweden. Vor 10:00 Uhr ist kein Geschäft auf. Nur die arabisch geführten Obst- und Gemüseläden. Da kann man schon ab 07:00 einkaufen. Fleißige Leute.

In allen Häfen ist Warnweste Pflicht. Hängt in der Kammer. Auch ein Helm. Den setzt man auf, wenn man mal auf die Back (zum Bug) will. Auf dem Weg dahin kann man sich leicht mal den Kopf stoßen. Vorher auf der Brücke Bescheid sagen. Ich setze den auch auf, wenn ich nur auf der Pier rumlaufen und fotografieren will. Man wird besser gesehen.

Immer wieder interessant: Eine Führung durch den "Keller". Aber bitte mit Gehörschutz !

Am nächsten Tag ging die Reise dann nach Öxelesund. Etwa 10 Stunden Fahrt. Zu einem hässlichen und langweiligen Stahlwerk. Das sehr kleine Zentrum besteht nur aus ein paar Geschäften und einer ziemlich großen Bibliothek. So eine Art Kulturzentrum. Kleines Kaffee, Spielecken für Mütter mit Kindern, Internet. Einzige Möglichkeit für einen Toilettenbesuch. Alles liegt ziemlich weit weg vom Liegeplatz.

Fragen, ob der Agent jemand schicken kann, der Sie evtl. fährt. Das hat bei mir im Februar gut geklappt.

Wir haben da Container und Stahlplatten gelöscht und Container und Stahlcoils geladen. Das sind 4,5 t schwere Rollen. Der Stahl darf nicht nass werden. Deshalb wird er unter Deck gestaut. Und bei Regen wird abgebrochen. Bei meiner vorigen Reise gab es dadurch einen ganzen Tag Verzögerung.

Bei der jetzigen Reise gab es bei der Verladung der letzten 12 Container ein Problem mit dem Spreader. Das ist das in der Größe verstellbare rechteckige  Teil des Kranes, mit dem die Container aufgenommen werden. Der ließ sich nicht mehr lösen. Es war Samstag Nachmittag. Kurz vor Schichtende. Das kann in Schweden bedeuten: Bis Montag geht überhaupt nichts. Reparatur und Klärung der Überstunden dauerten ca. 5 Stunden. Inclusive Kaffeepausen. Vorher ablegen konnten wir auch nicht, weil der Spreader mit dem Container verbunden war. Und der stand an Bord.

Durch den schon erwähnten Sturm ist der Fahrplan der ALREK gestört worden. Folge: Beide Schiffe lagen zur gleichen Zeit in Öxelesund.

Ich bin da an Bord gegangen und habe shakehands mit dem Kapitän und seinen Leuten  gemacht, die ich von meiner Reise im Februar kannte. Netter Zufall. Beide Schiffe gehören zur Reederei.

Der Chief, ein Schwabe, der mich während meiner Seekrankheit auf der ALREK mit Tee, Suppe und Bananen versorgt hatte, wohnt in Öxelesund. Und hat z.Zt. Urlaub. Der kam zu Besuch an Bord und fuhr den „Kollegen“ und mich nach Nyköping. Sehr nettes Städtchen. Dort war ein etwa 1 Km langer Markt auf der Hauptstraße beiderseits aufgebaut. Mit dem ganzen Krempel der Dritten Welt.

Alles bei strahlendem Sonnenschein. Besser geht es nicht. In einem Gartenkaffee gab es leckeren, selbst gebackenen Kuchen. Nach ca. 3 Stunden, ging es wieder an Bord.

Nachdem nun auch alle Container an Deck waren, konnten wir endlich ablegen. Mein Fenster voraus war jetzt halb verstellt. Aber bei dem Wetter habe ich fast nur im Deckstuhl in der Sonne gelegen.

Und dann ist da ja auch noch die Brücke. Mit erstaunlich vielen Sitzplätzen auf diesem Schiff.  Auf denen man nicht stört. In beiden Nocks. Und in der Funkbude sogar mit Tisch. An dem konnten 3 Leute sich gegenüber sitzen. Auch immer wichtig: Nie im Weg stehen.

Manchmal saß da der portugiesisch/niederländische Kadett und lernte aus seinen Büchern. Ich habe da auch oft reingeschaut. Mich interessiert so was: Wie sind die Leinen auf dem Mooringdeck belegt?  Warum geht immer die Vorspring als erste Leine an Land?

Das macht ja die Fahrerei auf Frachtern so interessant. Wer lieber mit bunten Cocktails in der Hand rumläuft, ist da falsch. Und gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Und zwar pünktlich. Wer immer erst eintrudelt, wenn die anderen schon mit der Suppe fertig sind, gilt als unhöflich. Frühstück fängt immer warm an. Wer das nicht möchte, dem Koch vorher Bescheid sagen.

Wenn Sie durch einen Landgang an einer Mahlzeit nicht teilnehmen können, macht Ihnen der Koch auch gern auf Wunsch eine Folie über Ihre Portion. Die können Sie dann nach Ihrer Rückkehr in die Micro schieben. Natürlich ohne die Folie. (Joke!).

Zu schaffen macht mir nur immer das - für mich - viel zu frühe Abendessen gegen fünf/halb sechs. Der Abend wird dann auch ungewohnt lang.

Das ist so, wegen der Wachwechsel.

Der junge Mann durfte auch beide Male den Dampfer unter Aufsicht auf dem Westteil durch den „Graben“ (NOK) steuern. Von Hand. Per Joystick. Da lernt man was!

Automatic ist im NOK generell verbotenen. Segelboote müssen unter Motor fahren. Aber, wenn zum Außenborder ausnahmsweise mal die Fock oben ist, sagt auch niemand was.

Auf dem Ostteil MUSS ein Kanalsteurer angenommen werden. Es besteht Annahmepflicht.

Um auf der „Centerline“ zu bleiben, werden gern die Laternen an beiden Ufern für die optische Peilung genommen. Abstand jeweils 200 m. In einigen Kurven 180 m. Der Lotse hat das alles auf seinem Tablet. Alle Lotsen haben ihre ganz persönliche Navigation da abgespeichert. Überall, auch in Schweden oder auf der Elbe habe ich das gesehen. Die klinken sich über ein spezielles Kabel in den Navigationsrechner des Schiffes ein. Und haben dann alles in real time vor sich.

Küstenschnack: Es gibt 4 mögliche Methoden, den Kanal zu befahren: Die richtige, die falsche, die übliche und die des jeweiligen Lotsen.

Das Pidgin-Englisch der Crew, auch untereinander, konnte ich nicht immer gleich entschlüsseln. Um keinen Fehler zu machen, habe ich lieber mal nachgefragt.

Der „Erste“ und der Chief  (Ing.) waren deutsch. Kapitän kam aus St. Petersburg. Die Sicherheitseinweisung machte der polnische „Zweite“ auf englisch.
Der Koch aus Polen kannte nur 2 englische Vokabeln:  Rice? Potatoes? (Zum Essen).

Nach etwa 32 Stunden waren wir wieder im Kiel-Kanal. Die Schleusung habe ich verpennt. War so gegen 04:00 Uhr.

Ein letztes Frühstück, dann waren wir gegen 12:00  wieder in Brunsbüttel. Ende einer sechstägigen Reise. Mal wieder. Mit einem guten Schiff, bequemer Kammer, netter Crew, lecker Essen. Und bestem Wetter.

Da wird ganz gewaltig an der 5. Kammer der Schleuse in Brunsbüttel gebaut. Eine spezielle Fährverbindung für Lkws und Baumaschinen von der Nordseite des Kanals zur Baustelle wurde eingerichtet.

Ich hatte mein Auto auf der Südseite geparkt, weil ich wusste, wo der Dampfer bei der Abreise schleusen würde. Und genau da waren wir auch wieder bei der Rückkehr. Sonst hätte es mit dem Gepäck eine große Wanderung um und durch die Baustelle gegeben. Mit Treppe rauf und Treppe runter. Und Hin-und her. Je nachdem, welches Kammertor gerade offen oder geschlossen ist. Denn der Haupteingang ist auf der Nordseite. War schon besser so!

Die wichtigsten Zahlen: Von der Kammer zur Messe 24 Stufen. Zurück natürlich auch. Von der Messe auf Brücke 60 Stufen. Von Kammer auf Brücke 36 Stufen. Bei 3 – 5 (Kaffee) Mahlzeiten pro Tag läppert sich da was zusammen. Und dann hat man ja auch ab und zu mal dieses oder jenes (Foto, Fernglas, Sonnenbrille...) vergessen. Und muss den Weg nochmal machen. Und das sind ziemlich steile Treppen.

Kleiner Tipp: Bei Seegang nie die Hände in die Hosentaschen stecken.. Kann sein, dass man die nicht schnell genug raus kriegt, wenn man sich plötzlich festhalten muss.

Die nächste Reise ist mal wieder im Winter angedacht: Im Eis nach Finnland. Da fahren dann neben dem Schiff die Autos der Hausbesitzer auf den Schären. Auch nicht schlecht.

Happy sailings!

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü