Gefangen im Eis - Frachtschiffreisen

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Gefangen im Eis

Reiseberichte > Reisen Dritter

Schon zweimal hatte ich eine Reise ins Eis in den Bottnischen Meerbusen gebucht. Zweimal fiel die Reise dann aber wegen der Beendigung der Charter aus. Jetzt habe ich es wieder versucht, und es hat geklappt.

Bei der Reederei hatte man Verständnis für meinen Reisewunsch und bot mir eine Rundreise auf der CONMAR GULF an. Das habe ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen und sofort zugesagt. Auch Wolfgang Poddig konnte ich für die Reise begeistern.

Sofort habe ich bei Marinetraffic die Verfolgung des Schiffes aufgenommen. Die Eiskarten versprachen eine interessante Tour.

Der Routenverlauf gefällt mir ausgesprochen gut. Geplant ist eine Dauer der Rundreise von 14 Tagen, Routenverlauf:
Hamburg -> Antwerpen -> Nord-Ostsee-Kanal -> Kokkola -> Oulu -> Kemi -> NOK -> Hamburg.

Also: Nichts wie los!

Tag 0 (Sonntag, d. 12.03.2017)
Die CONMAR GULF soll um 23:00 Uhr im Container-Terminal-Altenwerder (CTA) festmachen. Das ist zwar etwas ungewöhnlich, aber immer noch eine akzeptable Zeit. Am Nachmittag erfahre ich dann vom Agenten, dass die Ankunft sich auf 01:00 Uhr verzögern wird. Trotzdem will man um 06:00 Uhr schon wieder auslaufen.

Tag 1 (Montag, d. 13.03.2017)
Wie erwartet trifft die CONMAR GULF um 01:00 Uhr in Hamburg am CTA ein. Gemeinsam mit Wolfgang Poddig gehe ich an Bord. Ohne große Begrüßung – die Besatzung hat schließlich was Wichtigeres zu tun - belegen wir unsere Kammern. Wolfgang zieht sich in seine auf dem B-Deck zurück, ich belege die recht große Owner’s Cabin auf dem C-Deck.

Bis zum geplanten Auslaufen bleibt noch ein wenig Zeit zum Schlafen. Das Anlassen der Hauptmaschine um 05:45 Uhr holt mich dann aber schnell aus der Koje. Vom A-Deck hat man eine schöne Übersicht über das Geschehen an Bord und an Land. Dann passiert das, was eigentlich nicht passieren sollte: Alle Leinen sind los, nur die Heckleine hat sich an einem kleinen für Binnenschiffe vorgesehenen Poller tief unten in Höhe des Wasserspiegels verfangen. Hektik kommt an Land aber trotzdem nicht auf. Mit Hilfe einer dünnen Leine gelingt es, das Auge der Heckleine vom Poller zu heben.

Der Kapitän wendet das Schiff im Köhlbrand, wir passieren den Saugbagger TACCOLA, fahren unter der Köhlbrandbrücke hindurch und verlassen den Hamburger Hafen bei einem wunderschönen Tagesanbruch.

Um 10:30 fahren wir an Cuxhaven vorbei, wo uns Eckhard Reeh von der Alten Liebe aus verabschiedet. Leider ist die Entfernung zu groß und die Sicht zu schlecht, so dass ich ihn nicht erkennen kann. In Höhe der Kugelbake kommt uns die NEUWERK entgegen, kurz darauf überholt uns das neue mit LNG-Antrieb ausgerüstete Fahrgastschiff HELGOLAND.

Um 11:00 Uhr erhalten Wolfgang und ich unsere Sicherheitsunterweisung vom 2. Offizier und machen mit ihm einen ausführlichen Rundgang über das Schiff. Eine große Sicherheitsübung ist dann für den Nachmittag angesetzt.

Treffpunkt ist natürlich – wie bei einem echten Notfall - der Sammelpunkt auf dem B-Deck (Musterstation). Alle Mann (auch die Passagiere!) müssen ins Freifallrettungsboot. Anschließend heißt es „Feuer im Maschinenraum“. Zwei Mann zwängen sich in Hitzeschutzanzüge und bewaffnen sich mit Handfeuerlöschern.

Im CO2-Flaschenraum erläutert der Chief Funktionen und Vorgehensweise. Ein Blick in die Vorpieck schließt die Übung ab.  Auf der Brücke erfolgt dann noch vom Kapitän eine Zusammenfassung.
Während heute tagsüber recht trübes Wetter herrschte, überrascht uns dann am Abend noch ein schöner Sonnenuntergang vor der ostfriesischen Küste.

Tag 2 (Dienstag, d. 14.03.2017)
So wie der Tag geendet hatte, so beginnt auch der Morgen: mit einem herrlichen Sonnenaufgang. Das Wetter meint es gut mit uns. Die Crew nutzt das und beginnt mit Wartungsarbeiten. In schwindelerregenden Aktionen wird der Vormast entrostet und gestrichen. Farbe für jede Art von Pflege- und Verschönerungsmaßnahmen scheint ausreichend vorhanden zu sein. Währenddessen zieht an Backbord die VALPARAISO EXPRESS der Hapag Lloyd vorbei. Um 10:30 gehen wir auf der Schouwenbank vor Vlissingen vor Anker, denn in Antwerpen sind mal wieder alle Liegeplätze besetzt. Morgen gegen Mittag soll es weitergehen. Ich lass mich überraschen, schließlich treibt mich ja niemand. Ich nutze die Zeit zu einer weiteren Schiffserkundung.

Tag 3 (Mittwoch, d. 15.03.2017)
Nach dem Frühstück kommt die Information, dass sich das Einlaufen nach Antwerpen um einen weiteren Tag verzögern wird. Schon früh am Morgen setzt die Crew ihre „Malerarbeiten“ fort, jetzt ist die Vorderfront der Aufbauten an der Reihe. Da die Stellplätze vor dem Aufbau frei sind, bietet sich hierzu eine gute Gelegenheit. Gut gesichert auf einem Bootsmannsstuhl werden Roststellen bearbeitet und dann neu gestrichen.

Der Chief nutzt die Liegezeit zur Überprüfung des Boots-Davids. Um uns herum haben diverse weitere Schiffe ihre Warteposition eingenommen. Nach der Coffeetime (15:00 Uhr) ist bei frühsommerlichen 13°C ein „Lifeboatdrill“ angesetzt.

Tag 4 (Donnerstag, d. 16.03.2017)
Der Tag beginnt vielversprechend mit einem spektakulären Sonnenaufgang und einem deftigen Frühstück (Spiegeleier mit Kartoffelpuffer). Dann beginnt die Crew mit Deckwaschen. Um 11:15 Uhr heißt es dann „Anker auf“, die Fahrt nach Antwerpen geht weiter. Beim Aufholen des Ankers tauchen leichte Probleme auf, da die Kette sich im Kettenkasten nicht sauber ablegt und durch die Crew manuell zurecht gerückt werden muss.

Der Lotse des Lotsen-Mutterschiffs „POLARIS“ kommt mit einem Speedboot. Die Fahrt über die Westerschelde, dicht vorbei an den Stränden von Westkapelle und der von Hochhäusern geprägten Skyline von Vlissingen, bei traumhaften 19°C, ist ein Erlebnis. Bald darauf erfolgt ein erneuter Lotsenwechsel, jetzt mit einem futuristischen Lotsenboot.

Mehrere Schiffe begegnen uns im recht engen Fahrwasser der Schelde, wie z.B. die OOCL Montreal und der fast 400 m lange Riese MERETE MAERSK. An Steuerbord bedroht uns das schon mehrfach negativ aufgefallene Kernkraftwerk „Doel“. Die riesigen Kühltürme waren schon von weitem zu sehen. Jetzt fahren wir direkt daran vorbei. Hoffentlich platzt das Ding jetzt nicht!

Am gegenüberliegenden PSA-Terminal werden die JAKARTA EXPRESS und die ELBFEEDER beladen. Pünktlich um 17:00 Uhr gibt es zum Dinner Tilapia, allerdings müssen wir alle mit den Gräten kämpfen, er schmeckt aber lecker. Im Deurganckdock am MPET-Terminal machen wir kurz darauf fest.

Ich nutze die Chance, ziehe meine gelbe Warnjacke an, setze den gelben Schutzhelm auf und mache von der Kaimauer aus ein paar Fotos unserer CONMAR GULF.

Die vor uns liegende, mit Baujahr 1986 schon recht betagte MSC IRIS verlässt mit Schlepperhilfe ihren Liegeplatz. Um 21:00 bringt uns das Bunkerboot 268 t Kraftstoff. Da wir auf einer Rundreise etwa 160 t verbrauchen, ist das wohl ausreichend.

Tag 5 (Freitag, d. 17.03.2017) (Seetag)
Schon um 04:18 heißt es wieder „Leinen los“. Wir haben jetzt 2605 t geladen in 112 Containern, das entspricht 149 TEU. Gemessen an der maximalen Kapazität von 698 TEU sind das gerade mal 21,3%. Es geht mit Lotsenhilfe bei Windstärke 4 über Schelde und Westerschelde Richtung Kokkola. Es ist trübe, auf See frischt der Wind auf Stärke 5 auf, am späten Abend erreicht er Stärke 7. Der Tag verläuft ohne nennenswerte Höhepunkte.

Tag 6 (Sonnabend, d. 18.03.2017)
Die Schleusung in Brunsbüttel um 05:20 habe ich glatt verschlafen. Aber die Durchfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verspricht wieder interessant zu werden. Anfänglich ist das Wetter trübe, die Sicht leider eingeschränkt. Im Laufe des Tages klart es aber auf, so dass der Tag doch noch wunderschön wird. Hinter uns fährt die NORDIC HAMBURG. Schon in der Weiche Dückerswisch müssen wir den Gegenverkehr passieren lassen. In der Weiche Fischerhütte müssen wir für die ADELINA  D warten. In der Weiche Breiholz dürfen wir die dort wartenden BBC UTAH und BERNHARD SCHEPERS passieren. In Rüsterbergen erfolgt wieder der obligatorische Lotsenwechsel. Es geht vorbei an vielen netten Wohnhäusern mit herrlichem Blick auf den Kanal, manches aber auch ohne den Blick. Ob da wohl die Baufirma den Plan verkehrt herum gehalten hat?

Wir passieren Rendsburg mit der Hochbrücke, aber derzeit ohne Schwebefähre. Diese liegt dann etwas weiter auf dem Gelände des Bauhofs des Wasser-und Schifffahrtsamtes (ehemals: Staatswerft Rendsburg-Saatsee). Der Feeder EMOTION, der Öl- und Chemikalientanker SILVER KENNA und der Stückgutfrachter TOLLUND warten auf uns in der Weiche Groß-Nordsee. BIANCA RAMBOW und BBC BAHRAIN verlassen gerade die Schleuse Holtenau bei unserer Ankunft um 13:30 Uhr. Weil wir in der Schleuse noch Wasser bunkern, verzögert sich das Auslaufen etwas bis 14:20 Uhr.

Der Tiessen-Kai mit dem alten Kieler-Leuchtturm liegen in schönstem Sonnenschein, ebenso das U-Boot-Denkmal in Kiel-Möltenort und das Marine-Ehrenmal in Laboe. Zum Dinner serviert uns heute unser „Cookie“ gebratenes Hähnchen mit Brokkoli und Petersilienkartoffeln, als Dessert selbst gebackenen Käsekuchen. Um 18:00 Uhr sind wir querab Puttgarden.

Tag 7 (Sonntag, d. 19.03.2017)  (Seetag)
Schon früh am Morgen überholt uns der Feeder CONTAINERSHIPS VII, erst danach gibt’s Spiegelei mit knusprigem Speck. Der übrige Tag richtet sich nach der üblichen „Seetag-Routine“, d. h. essen, lesen, Rundgang, Portraitfotos machen, essen, lesen, usw. Um 10:00 Uhr passieren wir das Leuchtfeuer Ölands Södra Grund. Abends gibt es querab von Visby zum Dinner selbst gebackene Pizza.

Tag 8 (Montag, d. 20.03.2017) (Seetag)
Um 07:00 sind wir in Höhe der Alandinseln. Die NORDIC PHILIPP kommt uns aus Pitea entgegen. Die Sonne scheint bei 3°C und der Wind aus Richtung SSW bläst mit Stärke 5. Ansonsten herrscht übliche Seetag-Routine.

Fortsetzung


 
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