Anna Sirkka - Frachtschiffreisen

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Anna Sirkka

Reiseberichte > Eigene Reisen

Eigentlich sollte ich noch auf USA-Fahrt sein (MSC Navegantes), aber nun hat sich alles ganz schnell verändert und ich fahre mit der Anna Sirkka. Mit dem Schiff fährt Wolfgang Poddig (reisen-auf-frachtschiffen.de) schon seit Jahren. Von ihm kam daher auch der Tip für diese Reise. Und es wurde eine schöne und erlebnisreiche Fahrt.

Das Schiff ist 134m lang und 23m breit. Sehr gut gepflegt. Kapitän und Chief sind Deutsche. Zwei Kammern liegen auf dem B-Deck, Backbord eine Doppelkammer mit Stockbetten, Steuerbord eine Einzelkammer mit einem Bett. Die große Eignerkammer auf dem E-Deck kann ggf. auch gebucht werden. Ich hatte die Steuerbordkammer, für mich ungewohnt klein, da ich bisher immer Doppelkammern hatte. Aber ausreichend.

Von Bremerhaven 242 sm nach Antwerpen. Dann in einem Rutsch nach Casablanca - 1.362 sm. Weiter südlich nach Agadir - 267 sm. Von dort wieder nach Europa zurück, 1.591 sm bis Rotterdam. Schließlich das kurze Stück nach Bremerhaven - 206 sm.

Insgesamt eine Strecke von 3.688 sm.

Gebucht direkt bei der Reederei Petra Heinrich.

Start in Bremerhaven

Am Freitag 16. Mai 2014 bin ich gegen 14 Uhr in Cuxhaven losgefahren. Parken vor dem Eurogate in Bremerhaven wieder problemlos. Dann mit dem Shuttle zum Schiff, das ganz am Ende der Stromkaje lag. Schon an der Gangway wurde mir mit dem Gepäck geholfen. Und an Bord traf ich gleich auf Wolfgang. Gepäck wurde auf die Kammer gebracht und so konnte ich erst mal alles in Ruhe ansehen.


Mit Chief Josef Resch und Wolfgang noch kurzer Ausflug in die Stadt.

Dann aber das Treiben um das Schiff herum und auf der Weser betrachtet. Das Wetter war gut, daher auch lange hell. Gegen 21 Uhr 30 ging es dann los, da war ich natürlich auf der Brücke dabei.

Morgens schon Höhe Terschelling. Wir fahren aber nur gut 10 kn, da wir vermutlich vor Antwerpen auf Reede gehen müssen. Wiederholt sich da etwa was? (MSC Navegantes) Strahlend blauer Himmel, das kann ruhig so bleiben. Inzwischen ist bekannt, dass wir doch fast drei Wochen unterwegs sein werden, das ist eine gute Nachricht.

Auf dem Weg nach Antwerpen viele Schiffe, einige Bohrinseln und auch ein Stelzenschiff im Einsatz. Das war eine kurzweilige Fahrt.

Antwerpen

Einlaufen doch am Abend in Antwerpen. Gegen 20 Uhr haben wir den Lotsen aufgenommen und es ging auf Revierfahrt in die Westerschelde, dicht an der holländischen Küste entlang. Die Fahrt ist geprägt von vielen, zum Teil kräftigen Kursänderungen.
Anfangs ein langer Strand, der mit Autos befahren werden kann. Dann so etwas wie eine Laubenkolonie am Wasser. Später Vlissingen, sieht aber nicht prickelnd aus vom Wasser her. Dort wurden auch Lotsen abgesetzt. Das Anlegen habe ich nicht mehr verfolgt, es war mir zu spät, wohl so gegen 1 Uhr nachts.

Da Sonntag war, begannen erst um 14 Uhr die Ladearbeiten. Wir hatten auch an einen Landgang gedacht, aber ein Taxi vom Gate in die Stadt hätte 60 Euro gekostet, das musste nicht sein. So konnte ein ruhiger Sonnentag genossen werden.
Abgelegt dann um 20 Uhr. So bot sich uns eine wunderschöne Revierfahrt der untergehenden Sonne entgegen. Vorbei an der Schleuse zum MSC Liegeplatzbereich, wo ich kaum drei Wochen vorher ausgestiegen bin. Die Ausfahrt nun auf der Terneuzen-Seite der Westerschelde.

Fünf Seetage bis Marokko

Normalerweise würden wir für knapp 1.400sm keine fünf Tage brauchen. Der Charterer hat aber den Liegeplatz nicht früher bestellt. So hatten wir eine gemütliche Fahrt, immer mal wieder mit einer Stunde Volle Fahrt, der Maschine zuliebe.

Am ersten Morgen im Kanal Höhe Dungeness. Wetter anfangs gut, dann Regen bis in den nächsten Tag. Da schon am Ausgang des Kanals, jetzt geht es nur noch südlich. Sonnenbaden war kaum möglich, zu frisch draußen. Also immer mal wieder auf der Brücke, aber auch viel gelesen. Aber aufgepasst, was draußen so los ist. Nach der Kanalfahrt mit relativ viel Verkehr, nun deutlich weniger Schiffsbegegnungen. Einfahrt in die Biscaya, See ruhig, nur leichte Dünung. Jeden Tag mehrmals zum Bug, immer auf der Lauer nach Delfinen.

Der 3. Tag begann mit Regen, aber bald klarte es auf. Biscaya fast geschafft, auf der Seekarte schon spanisches Festland zu sehen. Nachmittags dann ALARM: Wolfgang hat Delfine gesehen. Ich bin gleich zum Bug gerannt. Durch die Panamaklüse konnte ich tolle Videoaufnahmen von den Tieren machen, die sich vor der Bugnase mit offensichtlichem Vergnügen tummelten. Zum ersten Mal habe ich nun Videos von Delfinen, ich war hoch zufrieden. Unten Schnappschüsse aus den Videos.
Abends wurde dann noch ein Geburtstag gefeiert. Die nächsten beiden Tage Kurs 180 Grad, also genau Süd.

Am nächsten Tag anfangs ganz schlechtes Wetter, das hat sich aber im Laufe des Tages gebessert. Immer mehr Schiffe zu sehen, man merkt, dass Gibraltar nicht mehr weit ist. Wir fahren immer noch um die 11 Knoten, werden also andauernd überholt.
Natürlich habe ich weiter nach Delfinen Ausschau gehalten, aber dieses Mal kein Erfolg.

Der letzte Seetag vor Casablanca verlief ruhig. Abends wurde es richtig warm, das haben wir uns auch verdient nach den frischen Temperaturen der letzten Tage.


Hier gibt es nun den ersten Teil der Reise als Film, wie immer Zusammenschnitt vieler Fotos und Videos. Vom Start in Bremerhaven, nach Antwerpen und dann die Seefahrt bis vor Casablanca.


Der Film ist etwa 17min lang. Mit viel Videomaterial, was hier im Reisebericht nicht enthalten ist.

Besondere Freude haben mir natürlich die Delfine gemacht, das ist im Film relativ weit hinten.

Casablanca und Agadir

Casablanca hat ca. 3,5 Mio Einwohner und ist die größte Stadt Marokkos. Wahrzeichen ist schon von See weit sichtbar die zweitgrößte Moschee der Welt Hassan II. Wenn man den Hafen verlassen will, muss man ins Immigration Office und ein Tagesvisum beantragen, auch auf dem Rückweg wieder dorthin, da ein Ausweis oder eine Kreditkarte als Pfand hinterlegt werden muss. Agadir dagegen weist nur 600 Tsd Einwohner auf, ist sehr touristisch geprägt. Und die ganze Prozedur wie in Casablanca ist nicht nötig. Taxis kommen und bringen direkt zum Schiff.

Am 24. Mai waren wir schließlich kurz vor Casablanca. Da es auf Reede ging, habe ich mir das Ankern angesehen, das ist ein ohrenbetäubendes Spektakel. Es lagen mehrere Schiffe auf Reede, die Stadt konnte man gerade so erkennen. Nachmittags dann Sicherheitsübung, das Freifallrettungsboot wurde per Kran zu Wasser gelassen.

Und abends Grillparty auf dem A-Deck, das war schon ein Genuss, so im Freien. Alle hatten viel Spaß, natürlich auch wieder mit Karaoke.
Wolfgang und der Chief haben geangelt wie die Weltmeister, da ist ordentlich was an Makrelen zusammen gekommen.

Am Sonntag 25. Mai sind wir abends in den Hafen von Casablanca eingelaufen. Der Lotse kam erst kurz vor der Einfahrt. Nachts legte gegenüber die Europa an. Landgang am nächsten Tag. Ein netter Mensch von der Seemannsmission hat uns aus dem Hafen gebracht und mitten in der Stadt abgesetzt. Wir sind dann erst in den Basar, weitverzweigt mit vielen Gassen. Dann zu Fuß (ziemlich weit) entlang der Stadtmauer zur Moschee Hassan II. Viele Gegensätze in der Stadt, Slums direkt gegenüber modernen Wohnbauten. Noch am Abend haben wir Casablanca verlassen und sind mit etwa 12kn Richtung Agadir gefahren. Da waren wir dann am nächsten Abend. Und wieder ging es auf Reede.

Auch vor Agadir lagen wir knapp 1 Tag auf Reede. Nach der anstrengenden Lauferei in Casablanca eine schöne Erholung. Wir sind am nächsten Tag mit Taxi in die Stadt, erst ging es einkaufen in einem riesigen Supermarkt, anschließend in den Souk El Hab. Dieser Basar ist absolut lohnenswert, mit vielen thematisch getrennten Bereichen. Der Chief kannte einen Gewürz- und Kräuterhändler, wo wir herzlich zum Tee eingeladen wurden.
Alle haben was gekauft, dabei unbedingt handeln, das wäre sonst für den Verkäufer keine Ehre. Es machte Spaß dem Treiben im Souk zuzusehen, aber irgendwann hatten wir so viel zu tragen, dass der Heimweg nötig wurde. Spät abends dann Abfahrt und Beginn der Rückreise.

Rückreise über Rotterdam

Am 29. Mai abends in Agadir abgefahren. Nun also leider schon zurück. Anfangs fast genau Kurs 0 Grad. Das Wetter nicht immer gut. Fünf Tage sind geplant bis zum Lotsen Rotterdam.

Da das Schiff wenig Ladung hatte, verlief die Fahrt unruhig. Wetter zum Glück aber gut. Am ersten Abend dann wieder Grillen auf dem A-Deck, dieses Mal hatte der 2. Ing Geburtstag. Wie sich dann alle beim Karaoke reinhängen ist schön anzusehen.
Am nächsten Tag dann Windstärke 7, schon auf Höhe Lissabon. Der Wind blies die Gischt aufs Schiff, alles wurde nass und salzig, man konnte sich kaum draußen aufhalten. Wieder relativ viel Verkehr, da aber alle Scheiben verkrustet waren, kaum passable Aufnahmen möglich.

Morgens in der Einfahrt zum Kanal. Kurzzeitig mal 18kn wegen der Maschien, dann wieder um die 12kn. Leider blieb die Sonne meist hinter den Wolken. Es ist immer noch alles mit Salz verkrustet, nun wird aber von oben beginnend alles gründlich geputzt. Da sollte man schon aufpassen, wo man sich draußen bewegt, man kann schnell mal nass werden.

Am nächsten Morgen dann zwischen Calais und Dover, mäßige Geschwindigekit, damit wir nicht zu früh beim Lotsen für Rotterdam sind. Der Verkehr inzwischen ziemlich lebhaft.

Um 20 Uhr haben wir den Lotsen aufgenommen, nun also rein nach Rotterdam. Dabei hatten wir das Glück, dass hinter uns die Sonne unterging, das gab dann traumhafte Bilder. Man konnte gut den neu aufgeschütteten Hafen Maasvlakte II vor der Küste erkennen. Die Revierfahrt auf dem Nieuwe Waterweg ist hochinteressant. Man bekommt einen guten Eindruck, welche Ausmaße der Hafen insgesamt hat. Vorbei an dem gewaltigen Flutsperrwerk und an allerlei Spezialschiffsbauten dauert die Revierfahrt etwa 3-4 Stunden.
Nachts dann im Waalhaven angelegt. Und zu meiner Überraschung um 4 Uhr schon wieder raus, da war ich aber zu müde, um mir das anzuschauen.

Nun geht die Reise also zu Ende. Mit langsamer Fahrt bei Kurs 30 Grad. Morgen früh sollen wir in Bremerhaven anlegen. Der Wettergott meinte es auch heute nicht so richtig gut mit uns. Aber ich habe so viele Eindrücke von der Reise, da kann man gut mal den Erinnerungen nach hängen.
Aha, geht also doch wieder auf Reede. Das war dann in der Nacht. Gepackt habe ich inzwischen. Am nächsten Tag blieben wir dann doch noch ziemlich lange draußen. Erst Nachmittags fuhren wir dann rein. Für mich alles problemlos, ich habe es nicht weit nach Hause. Der Abschied sehr herzlich, es war eine richtig schöne Fahrt, sicher nicht die letzte auf diesem Schiff.

Der zweite Teil des Films. Er beginnt mit dem Spektakel Ankern auf Reede vor Casablanca. Dann die Aufenthalte in Casablanca und Agadir, bzw. jeweils auch auf Reede.

Schließlich die gesamte Rückfahrt, wo nochmals Delfine zu sehen waren und leider nur schemenhaft ein Pottwal. Dann die schöne Revierfahrt rein nach Rotterdam und zu guter letzt die abschließende Heimfahrt nach Bremerhaven.

Auch hier sind Videos enthalten, die hier im Reisebericht nicht zu sehen sind. Der Film dauert ungefähr 20min.

Diese sehr schöne Fahrt habe ich ja zusammen mit Wolfgang Poddig gemacht. Er hat schon früher einen ausführlichen und informativen Rundgang auf der Anna Sirkka mit der Videokamera gemacht, das kann man sich hier ansehen, wenn man das Schiff genauer kennenlernen will.

Aktualisierung September 2016
: Das Schiff ist inzwischen umbenannt in JOANNA BORCHARD. Es fährt unter neuer Charter im Mittelmeerraum.

Ein paar technische Daten:

Name

Anna PG

Länge

134 m

Flagge

Deutschland

Breite

23 m

IMO

9.354.454

max. Geschwindigkeit

18,5 kn

Baujahr

2006

max. Tiefgang

8,7 m

Reederei

Petra Heinrich

max. Kapazität

868 TEU

 
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