Alrek Buecker - Frachtschiffreisen

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Alrek Buecker

Reiseberichte > Reisen Dritter

Anmerkung von mir: Auch diesen Reisebericht von Herrn Bücker habe ich im Original übernommen, so kommen unterschiedliche Eindrücke und Sichtweisen viel besser zur Geltung.

Eine Reise in die Vergangenheit...

Mit M/V „Alrek“ ex „TransAlrek“ 16.02.-22.02.2015. Brunsbüttel-Kiel-Södertälje-Västeras-Öxlösund-Kiel-Brunsbüttel.
1987  war das meine erste Frachtschiffsreise auf dieser Route. Die habe ich dann oft wiederholt. Schweden gefällt mir sehr.
Mit einer kleinen, aber wesentlichen Änderung: Norrköping, eine nette Kleinstadt, statt Öxlösund, hässliches Stahlwerk.

Aber manchmal mit anderen Abläufen: z. B. In Södertälje ausgestiegen, mit dem Zug nach Stockholm. Durch die Stadt und besonders durch die wunderschöne Altstadt gebummelt, per Telefonat mit dem Schiff die tatsächliche Ablegezeit erkundet und dann mit dem Zug nach Västeras.
Da vom Bahnhof zum Kai gute Viertelstunde zu Fuß.

Damals!

Heute liegt der Hafen kilometerweit von der Stadt. Taxi etwa 15.-- Euro pro Strecke.
Telefonieren – auch damals - per Hartgeld aus der Telefonzelle. Man lebte ganz gut auch ohne Handy, das es noch nicht gab.
Oder durch Södertälje spaziert und das Schiff nach der Abfahrt in der Schleuse, die mitten in der Stadt liegt, wieder erreicht. Auf dem Weg nach Västeras.

Früher war da alles voller Schrebergärten. Jetzt voller Wohnblocks.

Das ist alles heute nicht mehr möglich, weil seit nine/eleven Häfen und Schleusen Sicherheitszonen sind. Nur mit Anmeldung und Erlaubnis zu betreten.
Ich wohne in der Nähe der Schleuse Brunsbüttel und steige da immer ein und aus. Die Reederei muss mich mit Passkopie anmelden.
Früher war da ein Zugang für Alle. Besucher für die Plattform, Passagiere, Lotsen, Steurer. Mit einem großen Parkplatz. Alles ganz zentral.
Der Parkplatz ist da immer noch. Und Besucher können bis auf die Plattform.
Der Eingang zur Schleuse aber wurde weit verlegt. In eine kleine Nebenstraße. Alles mit mit Gittern gesperrt. Man muss durch ein Drehkreuz, das von der Wache mit  Video überwacht wird. Das bedeutet u.U. lange Wege zum Schiff.

Die Schleusenanlage besteht aus alter und neuer Schleuse mit je 2 Kammern, getrennt durch eine Insel, auf der die Lots-Revierzentrale für die Unterelbe steht. Es gibt also 8 Möglichkeiten für ein Schiff anzulegen. Und je nach Konstellation der Tore, ergeben sich bis zu 2 km Weg dahin.

In Schweden machen die Häfen um 16:00 Uhr dicht und man braucht einen Code für das Drehkreuz. Bekommt man vom Kapitän.

ETA für Brunsbüttel sollte 09:00 Uhr sein. Da es in der Nähe des Zugangs nur wenige Parkplätze gibt, war ich schon um 08:00 Uhr da. Mit einer Verspätung von einer Stunde ergaben sich 2 Stunden Wartezeit. Ich hätte gern noch irgendwo gefrühstückt, wollte aber den Parkplatz nicht riskieren.
Also im Auto warten, bis klar war, wo die Alrek anlegt. Vorher kommt man nicht in die Schleuse. Ist auch sinnlos, weil man ja nicht weiß, wohin.

Etwa eine halbe Stunde vorher wusste ich Bescheid. Ein Mitarbeiter des Agenten, von der Security angefordert, half mir mit dem Gepäck. Bei Frachtschiffsreisen lieber zu viel, als zu wenig mitnehmen. Der führte mich auch sicher durch die Baustelle der 5. Schleusenkammer.

Etwas smalltalk mit dem Lotsen und dem „waterclerc“ des Agenten verkürzte die Zeit. Dann war das Schiff da und ich an Bord. Als einziger Gast.
Von der letzten Reise kannte ich meine Kammer. Nachdem ich meine Sachen eingeräumt hatte, bin ich auf die Brücke und meldete mich an Bord.
Sicherheitseinweisung quittieren, Enthaftung unterschreiben, Pass für Aus-und Einklarieren abgeben.

Vom Poopdeck zur Kammer 33 Stufen. Von da zur Brücke noch 22. Dieses Pensum mehrmals am Tag, verhindert eine Wampe durch die Esserei an Bord.
Polnischer Koch mit polnischen Rezepten. Lecker...


Zum Frühstück geht es schon warm los. Und Mittags und Abends immer eine Suppe vorweg. Aus der Terrine zur Selbstbedienung.
Nachtisch nur Sonntags und Donnerstags = Seemanns-Sonntag. Wieso das so ist, weiß ich auch nicht. Tradition eben.

Dann ging es kurz vor 11 Uhr los und schon in Dükerswisch mussten wir in die erste Weiche. Und wer bremste uns da wohl aus? Herr Reeh? Naaa? Die Ida Rambow, Ihr Lieblingsschiff.

In der Weiche Fischerhütte mussten wir auch fast eine Stunde warten, bis der Gegenverkehr passiert war.

Der in Rüsterbergen ablösende Kieler Lotse brachte einen Aspiranten mit für die Streckeneinweisung. Ich habe unauffällig zugehört. Das ist schon sehr beeindruckend, was die so alles wissen und beachten müssen. Jeder Strecken-Kilometer und jede Kurve haben ihre Eigenheiten.

Gegen 19:30 waren wir in Kiel. Da gingen 2 ausgebaute Zylinderköpfe und eine Laufbuchse der Hauptmaschine an Land. Zur Reparatur bei MAK. Proviant wurde übernommen. Dann ging es über die Förde und Kadetrinne in die südliche Ostsee.

In der Nacht briste es auf, das Schiff fing an zu rollen. Ich kullerte in meiner Doppelkoje hin und her, und wurde seekrank. Erst am Abend war ich wieder an Deck. Der Chief, ein Schwabe, versorgte mich mit Tee und leichter Kost und erklärte mir, was „Gelbfüßler“ sind = Badenser.
Der war 72, hatte aber noch keine Lust, die Füße hoch zu legen.

Seine Ablösung war ein Rostocker. Spezialist für Tanker und Fischerei-Fabrikschiffe mit 150 Leuten Besatzung. Fisch rein, Fischstäbchen raus...

Hochinteressanter Erzähler. Der hat mich auch durch die Maschine geführt. Wichtigstes Thema: MARPOL= Umweltschutz. Alle Abwässer werden gesammelt, gefiltert, gereinigt, von Kolibakterien gesäubert. Und wieder eingespeist. Als Brauchwasser. Frischwasser gibt es nur zum Kochen.

Gefahren wird jetzt nur noch MDO=Marine-Diesel-Oil. Schweröl verboten. Muss nur noch bis 40 Grad vorgewärmt werden. Schweröl bis 120 Grad. Dabei wird Schwefel frei.
Alle Aggregate bzw. Steuerungen sind doppelt. Schalten bei Ausfall automatisch um. Maschinenraum kann 24 Std. unbesetzt sein.

Auf der Brücke geht jeweils nur ein Nautiker Wache. An- und Ablegemanöver fährt der Kapitän selbst. Aus der Nock. Ein sog. Ein-Mann-Schiff, wie mir der Steurer erklärte.

Routinedienst:  4/8 = 4 Stunden Wache, 8 Stunden Ruhezeit. Besatzung: Master, Ch-Mate, 2nd Mate, Ch-Eng., Oiler, Cook/AB, 4 AB. AB = Able Seaman = Vollmatrose.

Es hat sich einiges verändert in der "Christlichen Seefahrt". Früher stand immer die eine oder andere Kammertür offen. Signal: Besuch willkommen. Jetzt ziehen sich die Freiwachen total zurück. Alle Türen dicht. Signal: Störung unerwünscht!

Auch die kleine Runde in der Messe gibt es so gut wie nicht mehr. Die Anforderungen sind enorm gestiegen.

Etwa 40 Stunden später waren wir in Södertälje. Dort wurden nur 15 Container gelöscht. Keine Zeit für Landgang. Nur etwas die Füße vertreten.

Dann ging es durch einen sehr engen Kanal und eine Schleuse in den Mälarensee.

Auf dieser Strecke und zurück wurde das Schiff von einem Lotsen per Hand gefahren, der aussah, wie aus dem Bilderbuch: Goldener Ohrring und Zopf. Im Bart!

Auf der ganzen Reise ist mir aufgefallen, dass alle Lotsen ihre Laptops oder Tablets mit eigener Seekarte und GPS benutzten. Die Darstellungen wichen von der bordeigenen elektronischen Seekarte z.T. erheblich ab. Persönliche Programmierung.

Wir kamen in dünnes Eis. Die Fahrrinne war deutlich zu erkennen.
In Västeras kannte ich mich nicht mehr aus und habe den Fahrer der Stauergang nach dem Gate gefragt. Der war so nett, mich zu fahren. Bevor er den Wagen starten konnte, musste er in einen Alcotester pusten. Kannte ich auch noch nicht.

Eigentlich wollte ich gleich in die Stadt, aber dann habe ich gesehen, dass es mindestens 4 Km zu Fuß sind. Das war mir zu viel. Es war auch niemand mehr in der  Wache, um mir ein Taxi zu bestellen. Es fährt zwar ein Bus, der akzeptiert aber nur electronic-cash.

Ich bin dann am anderen Morgen los. Leider viel zu früh. Vor 10 Uhr haben da nur die arabischen Gemüse- und Obsthändler geöffnet.

Die Stadt lohnt sich aber auf jeden Fall. Vieles war neu und umgebaut. Einiges musste ich erfragen. 20 Jahre sind auch für eine Stadt eine lange Zeit.

Zurück nach Södertälje ging es in der Nacht. Mit vollen Scheinwerfern durch das Eis.

Dieser Lotse hielt mir einen Vortrag über die Vermessung von Schiffen und die dadurch mögliche Einsparung von Lots- und sonstigen Gebühren. Durch eigenwillige Auslegung der Reeder. Mir kamen da die Usancen bei der Angabe von Wohnungsgrößen in den Sinn.

In Öxlösund legten wir bei einem Stahlwerk an und luden Bandstahl. Als es anfing zu regnen, wurde abgebrochen.

Das brachte einen Tag Verspätung in den Fahrplan. Ein Mitarbeiter des örtlichen Agenten fuhr mich in das Centrum und auch wieder zurück zum Schiff. Der Ort ist klein und bietet nichts Besonderes. Ich habe nur ein paar persönliche Sachen gekauft. Und den netten Mann zu Kaffee und Kuchen in einer Konditorei eingeladen. Tat mir auch ganz gut.

Etwa 38 Stunden Fahrt bis Kiel lagen vor uns. Bei 35 – 40 Knoten Gegenwind, etwa 63 – 72 km/h, bockte das Schiff wie ein Mustang. Ich hatte das Gefühl auf so einem elektrischen Bullen zu sitzen.

Dann waren wir wieder im Kanal und hatten freie Fahrt bis Brunsbüttel. Genannt GG=Glatter Gang.

Die Reise war zu Ende. Wieder mal. Shake hands mit der Crew, dem Lotsen, dem Steurer... Man sieht sich...

Noch ein paar ganz allgemeine Tips: Legen Sie, wenn Sie in fremden Häfen von Bord gehen, IMMER die Warnweste an. Hängt in der Kammer. Ob das nun vorgeschrieben ist oder nicht: Es ist Ihre persönliche Sicherheit. Es stehen auch Helme zur Verfügung.

Falls Sie seekrank werden, ein Päckchen Cracker oder Zwieback im Gepäck ist immer gut. Packen Sie einen Waschlappen ein. Die Armaturen der Dusche sind meistens glatt und schwergängig.

Die Treppen sind steil und eng. Halten Sie sich immer mit einer Hand fest.

Seien Sie pünktlich zum Essen. Sonst muss immer einer aufstehen, um Sie durch zu lassen. Gäste sitzen immer hinten. Wenn selbst der Kapitän sein Geschirr eigenhändig abräumt, weil das auf dem Schiff so üblich ist, sollte das für Sie auch kein Thema sein.
Schließen Sie beim Verlassen Ihre Kammer ab, wenn das Schiff im Hafen liegt. Auch wenn Sie nur zum Essen gehen. Es laufen eine Menge fremder Leute an Bord rum.

Wenn Sie bei Dunkelheit auf die Brücke kommen, bleiben Sie stehen, bis Sie sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Es leuchten nur die Instrumente und Anzeigen. Sie könnten sonst leicht an einen Schalter oder Regler fassen oder stoßen.
Meistens geht beim Öffnen der Tür das Licht im Treppenhaus aus, um nicht zu blenden. Wenn nicht, schließen Sie die Tür schnell hinter sich.
Fotografieren Sie auf keinen Fall mit Blitzlicht. Benutzen Sie keine Taschenlampe.

Kaffee und Tee gibt es an Bord immer und zu jeder Zeit. Mineralwasser in 1,5 l Flaschen im 6er Pack oder Bier kaufen und bezahlen Sie beim Kapitän.
Zollfreie Ware, Zigaretten, Alkohol, Kosmetik, etc. können Sie aus einer Preisliste auswählen und in eine Zollerklärung eintragen.

Vergessen Sie Ihren Pass nicht am Ende der Reise. Der bleibt so lange in Verwahrung.

Happy Sailings!!!

 
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