Alexander B - Risser - Frachtschiffreisen

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Alexander B - Risser

Reiseberichte > Reisen Dritter

Eigentlich wollte ich ja schon im März 2015 mit einem Containerfrachter eine Eisfahrt in den Bottnischen Meerbusen unternehmen. Da dieses sich zerschlagen hatte, entschloss ich mich im Frühsommer eine Kurzreise in die Ostsee zu unternehmen. Dabei kam mir zugute, dass die Fa. Zylmann die Reise 0033-OE mit der „Alexander B“ neu ins Programm aufgenommen hat. Die 4 bis 5 vorgesehenen Häfen in Dänemark bzw. an der schwedischen Kattegatküste versprachen relativ kurze Seereisen mit häufigen Anläufen in unterschiedlichen Häfen. Auch lagen diese Häfen überwiegend in unmittelbarer Nähe der jeweiligen Städte, was Landgänge ermöglichen würde. Ich verfolgte im Internet (www.marinetraffic.com) die ersten beiden Reisen und buchte am 17.06.2015.

Tag 1 (Sonnabend)

Am 27.06.2015 soll es ab 15 Uhr an Bord gehen, geplante Abfahrt dann am frühen Sonntagmorgen. Da ich selber in Hamburg wohne, ist die Anreise für mich ein Heimspiel. Bei Sonnenschein und ca. 20°C treffe ich pünktlich am Burchardkai ein. Der leuchtend rote Rumpf der „Alexander B“ ist schon von weitem im Waltershofer Hafen zu sehen.

Der Shuttle der HHLA bringt mich zur Gangway, der 2. Offizier mein Gepäck über die Außentreppen hinauf bis in meine Steuerbord- Passagierkabine. Die Treppen flößen einem anfangs aufgrund der zu erklimmenden Höhe und des freien Blicks schnell Respekt ein. Die beiden Passagierkabinen liegen auf der „Alexander B“ im 5. Deck, direkt unter der Brücke und ein Deck über dem Kapitänsdeck. Es gibt zwar auch im Inneren der Aufbauten ein Treppenhaus, die Anzahl Stufen aber bleibt. Nur wer nicht schwindelfrei ist, wird lieber dieses nutzen.

In meiner Kammer erwartet mich eine Überraschung: Ein Stereo-Radio mit MP3-fähigem CD- und MC-Player steht ebenso zur Verfügung wie ein Fernseher mit separatem SAT-Receiver und DVD-Player. Der Wohnraum mit Ecksitzbank, recht großem Tisch und 3 Sesseln sowie überschwänglich viel Schrankraum sowie der Schlafraum mit dem 1,3 m breitem Doppelbett (Luxus für mich als Alleinreisender!) und weiterem Kleiderschrank wirken geräumig.

Auch das Duschbad erscheint mir größer als ich es von anderen Schiffen kenne. Am Kleiderhaken direkt neben der Eingangstür hängt ein gelber Schutzhelm. Was es damit auf sich hat, erfahre ich später.
Nach dem Ausräumen meiner Reisetasche bleibt viel ungenutzter Platz in den Schränken. Hoffentlich finde ich alles beim Ende der Reise in einer Woche wieder.


Offiziersmesse


Jetzt breche ich erst einmal auf zu einem Rundgang durch die Aufbauten und das Deck. Da im Augenblick noch kräftig geladen wird, verkneife ich mir die Erkundung des Arbeitsdeckes und des Vorschiffs. Bereits im Treppenhaus begegnet mir ein netter älterer Herr, der sich als Kapitän Kokkelink vorstellt. Der Kapitän ist übrigens einziger Deutscher auf dem Schiff.

Ricardino, der kapverdische Koch, serviert in der Offiziersmesse Spagetti Bolognese.

Vom Kapitän erfahre ich Details zur geplanten Route:
Abfahrt ist geplant für Sonntagmorgen um ca. 03:00 Uhr, Anlaufhäfen werden sein: Fredericia, Kopenhagen, Aarhus, Helsingborg, Halmstad und Göteborg. Entgegen der ursprünglichen Aussage, nicht 4 bis 5 sondern jetzt sogar 6 Häfen, und das in nur 7 Tagen. Das kann knapp werden, zumal mich auch die Streckenführung etwas irritiert.

Tag 2 (Sonntag)

Um 02:30 am Sonntag d. 28.06.15 geht es dann bei noch finsterer Nacht los. Das Auslaufen aus dem Hamburger Hafen lasse ich mir trotzdem nicht nehmen. In Brunsbüttel erfolgt der Lotsenwechsel mit dem Trimaran „Explorer“.

Nach 3 Stunden Fahrt über die Elbe können wir ohne jegliche Wartezeit in die Schleuse in Brunsbüttel einlaufen. Aufgrund Größe und Tiefgang der „Alexander B“ ist das Schiff in die Verkehrsgruppe 5 eingeordnet. Das bedingt u. U. Wartezeiten an Ausweichstellen wegen Gegenverkehr.

Kurz vor 10:00 Uhrt begegnet uns der Dampfschlepper „WOLTMANN“ aus dem Museumshafen in Hamburg-Övelgönne auf der Rückfahrt von der Kieler Woche. Wir erreichen um 14:00 Uhr die Schleuse in Kiel-Holtenau. Die Kieler Förde empfängt uns mit einer großen Anzahl von Segelschiffen, die noch den letzten Tag der Kieler Woche bei schönstem Sonnenschein genießen.



In der Dämmerung passieren wir die Brücke über den Großen Belt.

Tag 3 (Montag)

Das Einlaufen in Fredericia um 01:00 Uhr am Montag habe ich glatt verschlafen. Schließlich war die letzte Nacht ja schon um 2 Uhr zu Ende. Wegen der geringen Ladungsmenge für Fredericia (nur 30 Container!) ist der Löschvorgang schon um 10 Uhr beendet, obwohl der Umschlag mit nur einem Kran abgewickelt wird, Containerbrücken wie in Hamburg stehen in Fredericia nicht zur Verfügung.

Trotz der Nähe zur Stadt und wegen der kurzen Liegezeit verzichte ich auf einen Landgang. Stattdessen mache ich mich im Hafen auf, um einige Fotos von Schiff und Besatzung zu schießen.
Jetzt erfahre ich, wozu der Schutzhelm vorgesehen ist. Also nochmals hinauf aufs 5. Deck in die Kammer und den Helm geholt. Zusätzlich soll ich aber noch eine orange Warnweste tragen, aus Besatzungsbeständen erhalte ich diese. Hätte ich das gewusst, hätte ich eine von zu Hause mitgebracht, Platz in meinem Gepäck wäre ausreichend gewesen.

Am Nachmittag kann ich dann mit dem Chef-Ingenieur einen ausgiebigen Rundgang durch die topp gepflegte Maschinenanlage machen. Die Sauberkeit beeindruckt mich. Da während der Überfahrt nach Kopenhagen die Motoren voll laufen, ist eine Verständigung nur im Kontrollraum möglich. Die ALEXANDER B wird angetrieben durch einen 2-Takt-Diesel von MAN-B&W, Typ 7 S 50 MC-C. Diese Maschine schöpft ihre Leistung von 11.060 kW aus 7 Zylindern mit einem Kolbendurchmesser von 50 cm bei 127 Upm und ist dabei eigentlich relativ leise.

Der Lärm im Maschinenraum wird überwiegend von den 4 Hilfsdieseln erzeugt, die der Stromversorgung sowohl des normalen Schiffsbetriebes wie auch der Kühlcontainer dienen. Zusätzlich zu den Hilsdieseln versorgt auch noch ein Wellengenerator das Schiff mit Strom. Da die Hauptmaschine -wegen des Verstellpropellers ist das möglich- immer mit gleichbleibender Drehzahl läuft, ist ein solcher Generator eine ideale Stromquelle.


Obwohl wir schon um 19:00 Uhr in Kopenhagen festmachen, kann die Entladung erst um 23:00 Uhr beginnen, da die „BERNHARD SCHEPERS“ die Containerbrücken für die Beladung beansprucht.





Einen nächtlichen Landgang in Kopenhagen halte ich für wenig sinnvoll, stattdessen mache ich noch ein paar Nachtaufnahmen von der „ALEXANDER B“.

Tag 4 (Dienstag)

Am nächsten Morgen (Dienstag, d. 30.06.15) werde ich um 05:15 durch das Vibrieren der Hauptmaschine wach, wir laufen kurz darauf aus nach Aarhus.
Da das Schiff erst seine 3. Reise in dieses Fahrtgebiet macht, kann keiner der Besatzung mit Tipps für einen Landgang helfen. Eines ist jedoch klar: Vom Schiff zum Gate des Hafenbereichs sind es zwar nur einige hundert Meter die man problemlos laufen könnte, man darf es jedoch nicht. Hier in Aarhus habe ich das Glück, dass der Agent der Reederei mich mit seinem PKW bis in die Innenstadt mitnimmt.
Ein Bummel durch die recht hübsche Innenstadt folgt.

Ich lasse mir ein dänisches Eis schmecken und beschließe aufgrund der sommerlichen Temperaturen, schon um 15:00 Uhr zu Fuß die ungefähr 4,5 km bis zum Schiff zurück zu legen. Nach etwa 1,5 km erwischt mich ein Anruf des 3. Offiziers. Da die Lösch- und Ladearbeiten sehr zügig abgewickelt werden konnten, will man etwa 1,5 Stunden früher auslaufen! Das Stadtgebiet und der letzte Taxistand liegen weit hinter mir, das Schiff fast 3 km vor mir. Hier ein Taxi zu bekommen ist fast aussichtslos. Strammen Schrittes marschiere ich weiter, versuche mehrfach einen Container-LKW auf dem Weg zum Hafen zu stoppen. Erst etwa 500 m vor dem Gate hält unvermittelt einer an und bietet mir die Mitfahrt an. Da der LKW einen anderen Eingang zum Terminal nutzt, steige ich an geeigneter Stelle aus und gehe mit meinem Reisepass und einer Passagierliste bewaffnet zum Gate. Vergeblich suche ich dort jemanden, der bereit ist meine Unterlagen zu prüfen. Doch meine Suche ist vergebens, ungeachtet eines Verbotsschildes marschiere ich an der Kaikante entlang und erreiche ungehindert das Schiff. Kurz darauf laufen wir aus. Das war knapp!

Tag 5 (Mittwoch)


Kurz nach Mitternacht erreichen wir Helsingborg. Die Einfahrt in den recht engen Hafen meistert der Kapitän souverän ohne Lotsenunterstützung. Um 06:30 Uhr läuft die „MORSUM“ ebenfalls in Helsingborg ein.

Eigentlich wollte ich mich in Helsingborg mit meinem ehemaligen Kollegen Bengt H. treffen, da aber die Abfahrt schon für 08:00 Uhr geplant ist, muss das ausfallen. Aber nichts passiert. Ich beschließe nach Rücksprache mit dem 3. Offizier zum Fotografieren das Schiff zu verlassen, soll aber um 09:00 Uhr zurück sein. Aber auch dann passiert immer noch nichts, es wird weiterhin geladen. Der bestellte Lotse kommt schließlich um 11:30 Uhr an Bord, auch ein Schlepper wartet schon. Um 13:00 Uhr laufen wir dann aus, es geht rückwärts aus dem Hafen hinaus. Die Zeit wäre ausreichend gewesen, sich mit dem ehemaligen Kollegen zu treffen. Schade!


Schon um 15:30 sind wir in Halmstad. Es bleibt genügend Zeit für einen Stadtbummel.

Doch auch hier wieder die Frage: Wie kommt man dorthin? Auf der Kaimauer steht ein PKW der Port-Security. Der Fahrer zögert nicht lange, bittet mich einzusteigen und bringt mich bis in die Innenstadt. Um 19:00 Uhr holt er mich am gleichen Ort  wieder ab: das nenne ich Service!


Der Hafen von Halmstadt ist recht beschaulich, nur 1 Containerfrachter hat hier Platz, 2 Kräne stehen zur Verfügung.
Kurz vor Mitternacht laufen wir aus.

Tag 6 (Donnerstag)

Um 06:00 Uhr sind wir schon in den Schären vor Göteborg. Zwischen den kleinen Felsen hindurch kämpfen wir uns Richtung Göteborg. Dicht vorbei an der Festung „Nya Elsborg“ drehen wir und machen fest an der langen Containerpier.

Noch während des Festmachermanövers läuft neben uns die „MAERSK EMDEN“ aus.
Direkt vor uns macht die „MORSUM“ fest, die schon in Helsingborg nach uns eingelaufen war. Hinter uns liegt die „ANNA SIRKKA“.


Da ich Göteborg kenne, beschließe ich an Bord zu bleiben. Ich streife –mit Helm und Warnweste bekleidet- über das Schiff und beobachte die Besatzung bei ihrer Arbeit. Es ergeben sich zwangsläufig interessante Gespräche. Die 17 köpfige Besatzung der „Alexander B“ (alles Männer) setzt sich zusammen aus: 8 Mann von den Kapverden, 4 aus Russland, 2 aus der Ukraine, 2 von den Philippinen und schließlich dem deutschen Kapitän. An Deck trifft man daher überwiegend auf die immer freundlichen Kapverden. Die 2 Elektriker wechseln im Mast Kabel und Glühlampen aus. Aufgrund der Rußschwärzung ist das kein sonderlich angenehmer Job.


Der 2. Offizier öffnet mir das Freifall-Rettungsboot, ich nehme auf dem mir als Passagier zugewiesenen Sitz-Nr. 11A Platz. Ich kann nur hoffen, dass ich das Rettungsboot NIE benutzen muss!

Entgegen der ursprünglichen Planung kommt der Lotse bereits um 16:00 Uhr, kurz darauf laufen wir mit geringer Geschwindigkeit bei einem traumhaften Licht wieder durch die Schären Richtung Hamburg aus.

Kurz nach dem Ablegen begegnet uns die „KATHARINA B“, ein weiteres, etwas älteres Schiff „unserer“ Reederei TS-Shipping.
Schon bald gibt es keinen Handyempfang mehr, das erste Mal auf dieser Reise, die uns bisher fast immer in Küstennähe geführt hat.

Tag 7 (Freitag)

Als ich am Freitagmorgen erwache, wundere ich mich über die Ruhe an Bord. Ein Blick aus dem Steuerbordfenster meiner Kammer bestätigt meine Vermutung: wir machen kaum Fahrt, die Anzeige auf der Brücke bestätigt dieses. Wir laufen nur mit 2,5 Knoten, weil wir in Göteborg ca. 3 Stunden früher als geplant ausgelaufen sind. Nach dem Passieren der Brücke über den Großen Belt fahren wir südlich Langeland eine längere Warteschleife. Kurz darauf überholen wir die „TRINA“ der Reederei SAL aus dem Alten Land bei Hamburg.


Entgegen kommt uns dann die „FREDERIK“ (ein Schwesterschiff der „ALEXANDER B“) der Reederei Rudolf Schepers, Haren/Ems.

Um 18:00 Uhr geht es in die Nordschleuse in Kiel-Holtenau. Bei schönstem Sommerwetter folgt eine traumhafte Kanalfahrt. Um 22:00 Uhr begegnen wir der „LANTAU ARROW“.

Tag 8 (Sonnabend)

Vor der Schleuse Brunsbüttel müssen wir wieder warten da nur eine Schleusenkammer betriebsbereit ist. Um 03:15 geht es dann auf der Elbe Richtung Hamburg. Bei Sonnenaufgang erreichen wir Hamburg-Blankenese.


Kurz vor Erreichen des Hafens liegt an dem Notliegeplatz in Höhe des Airbuswerkes der 336 m lange Containerfrachter „NYK OLYMPUS“.

Er war am Nachmittag nach einem Maschinenausfall aus dem Ruder gelaufen und hatte sich in der Elbe quer gelegt.

Derartiges ist uns auf einer insgesamt tollen Reise auf einem gepflegten Schiffe mit immer freundlicher Besatzung bei phantastischen Wetter erspart geblieben. Zum Abschluss begegnet uns nun zum 2. Mal die „ANNA SIRKKA“, die wir ja schon in Göteborg getroffen haben. Irgendwo und irgendwann muss die uns unbemerkt überholt haben!

Nach dem Frühstück verabschiede ich mich und trete etwas müde –ich wollte doch nichts verpassen(!)- den Heimweg an.

Resümee:

Ich hatte 7 herrliche Tage bei schönstem Reisewetter.
Die Buchung über Kapt. Zylmann verlief unproblematisch und professionell. Das Schiff war in einem hervorragendem Zustand. Die Besatzung, allen voran Kapitän J. Kokkelink, war Spitze. Obwohl ich bestimmt mehrfach mit meiner Kamera im Wege gestanden habe, hatten alle viel Geduld mit mir. Die Verpflegung war in Ordnung (Hausmannskost), die Sauberkeit in allen Bereichen glich der einer Klinik.
Die ALEXANDER B verfügt -wie heute üblich- über eine überdachte Back. Das sieht nicht nur so aus wie eine Konzertmuschel im Kurpark, es nimmt einem auch das Gefühl der ganz großen Freiheit, schade.
Meine Steuerbordkammer war geräumig, gut ausgestattet und hell. Allerdings fehlte im Schlafraum ein Fenster, die Backbordkammer hätte sogar noch Sicht nach achtern gehabt, na ja: beim nächsten Mal…

Einige technische Daten:

Name

Alexander B

Länge

154,59 m

Flagge

Antigua & Barbuda

Breite

24,50 m

Heimathafen

St. John´s

Max. Tiefgang

9,50 m

IMO

9.328.649

Max. Geschwindigkeit

19,3 kn

Rufzeichen

V2FE7

Tragfähigkeit

18.530 tdw

Reederei

TS-Shipping, Haren/Ems

Max. Kapazität

1.221 TEU

Indienststellung

16.02.2006

davon Kühlcontainer

256 TEU

Bauwerft

Detlef Hegemann Rolandwerft, Berne

Hauptmaschine

MAN - B&W Typ: 7S50 MC-C

Bau - Nummer

226

Maschinenleistung

11.060 kW bei 127 upm

Eisklasse

E3 / A1

Hilfsdiesel

4X MAN - B&W Typ: 6L23/30H

aktueller Standort

elektr. Leistung

je 740 kW / 925 kVA

 
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